An einem Wochenende besuchen wir den „Cementerio General“, den Zentralfriedhof von La Paz. Dieser war uns nicht nur durch seine Größe (92.000 m2)aufgefallen, als wir mit der Teleférico darüber schwebten, sondern auch durch großflächige Murals.
Seit 1826 werden an diesem Ort bereits Menschen bestattet und natürlich haben hier auch einige wichtige historische Persönlichkeit ihre letzte Ruhe in einem der großen Mausoleen gefunden. Die einfacheren Bestattungsorte sind schmale Kästen, die vorne mit einem Gedenkstein versehen werden und meist auch noch Platz bieten um zwischen Gedenkstein und Glas Blumen, alkoholische Getränke, kleine Autofiguren oder ähnliches zu platzieren. Eben alles, was dem Verstorbenen eine Bedeutung hatte oder ihm schmecken würde. Die Häuser, die den Platz dafür bereit halten, spiegeln mit ihrer Gestaltung, dem Zustand und der Architektur in gewisser Weise die verschiedenen Wohnformen der Stadt wieder. So gibt es villenartige große Mausoleen, die Platz für wenig Menschen bieten und Gebäude, die eher an Hochhäuser erinnern.
Viele der Gebäude sind an der Stirnseite mit großen Murals versehen, über 70 davon gibt es auf dem ganzen Friedhof. Der letzte Schwung ist im November 2018 entstanden, als sich viele Künstler aus Bolivien und internationale Street Artist zu einem Workshop in La Paz trafen.
La Paz ist ein idealer Ausgangsort für Tageswanderung und so machen wir uns an einem Samstag auf zum Muela de Diablo, dem Teufelszahn. Der Berg war mir durch seine besondere Form schon häufiger auf dem Weg zur Arbeit in der Seilbahn aufgefallen.
Wir nehmen einen Minibus in die Zona Sur und laufen langsam bergauf, bis die Häuser immer lichter werden und die Straßen ab und an schon unbefestigt sind. Von hier aus können wir den Berg zwar nicht mehr sehen, aber die richtige Richtung lässt sich mit etwas Kartenmaterial kaum verfehlen.
Zunächst aber stolpern wir über ein Haus, dass deutlich aus der Reihe fällt. Wie ein Ufo, was zufällig zwischen all den anderen unverputzten Häusern gelandet ist, hat es etwas von einem Fremdkörper in dieser Umgebung. Wir gehen dichter ran und haben Glück: wir treffen Alex, den Architekten und Hauseigentümer. Er lädt uns ein, sein Werk auch von drinnen zu bestaunen. Definitiv ein tolles Haus und wir sind sehr von dem weiten Blick und der Gestaltung des Hauses beeindruckt. Wobei man sagen muss, dass hier – bergauf – fast alle Häuser diesen freien Blick auf die Stadt haben.
Schnell sind wir mitten in beeindruckenden Felsformationen, die wir durchqueren um auf ein kleines Dorf in einem grünen Tal zu stoßen. Ab hier wird es etwas lebendiger, denn der Teufelszahn ist ein beliebtes Ausflugsziel und viele Paqueños fahren direkt mit dem Auto vor um dann nur die letzten Meter zu klettern. Von der Aussichtsplattform zwischen den beiden Gipfeln hat man einen tollen Blick auf die Stadt und wir sind beeindruckt, wie schnell man aus dem Zentrum zu solch schönen und gefühlt abgelegenen Orten kommen kann.
Mit ein wenig Verzögerung – aber jetzt endlich – der Blogeintrag zu unserer letzten Station in Peru. Von Cusco aus fahren wir mit dem Bus nach Puno. Dieses Mal haben wir uns nicht für einen normalen Bus entschieden, sondern für eine Tour, bei der man auf dem Weg auch noch anhält, um ein Museum, eine Kirche und eine Ausgrabungsstätte zu besuchen und natürlich Mittag zu essen. Das lockert die Fahrt auch auf, aber wir stellen wieder fest, dass wir keine großen Fans von größeren Touristengruppen sind. Als wir in am frühen Abend endlich in Puno ankommen, regnet es stark. Zum Glück hört es wenig später auf und wir können das Hotel doch noch Richtung Zentrum verlassen, um uns etwas zum Abendessen zu suchen.
Am nächsten Tag sind wir mit Ruben verabredet. Ruben gehört zu der Volksgruppe der Uros, die auf schwimmenden Schilfinseln im Titikakasee leben. Wir haben ihn über Airbnb gefunden und wollen eine Nacht auf seiner Insel verbringen. Er holt uns mit dem Boot von einem kleineren Hafen etwas außerhalb von Puno ab. Die schwimmenden Inseln und die großen Schilfboote (die eigentlich nur für die Touristen gebaut werden) sehen sehr pittoresk aus und wir genießen die Bootsfahrt. Auf der Insel angekommen, lernen wir gleich seine Frau und seine beiden jungen Töchter kennen, sowie das Nachbarskind, die uns später auch noch in ihre Spiele einbeziehen. Sein Papa, Silverio, der gleich nebenan wohnt, nimmt uns wenig später mit dem Boot mit und gibt uns eine kleine Dorftour. Wir sehen die anderen Inseln, die Kirche und immer wieder diese lustigen Boote. Er erklärt uns, dass viele der Uros mittlerweile auf dem Festland leben und nur tagsüber auf den Inseln sind, um dort Restaurants für Touristen oder kleine Läden zu betreiben. Das Touristenbusiness ist im übrigen gut organisiert, das Dorf hat sich die Touristen aufgeteilt, an bestimmten Tagen werden die Inseln links, an den anderen Tagen die Inseln rechts des Dorfes angefahren. Silverio zeigt uns zudem, dass man das „Schilfrohr“, welches auch zum Bau der Inseln und Häuser verwendet wird, essen kann und wir ernten ein wenig davon. Dann gibt es Mittagessen, natürlich Fisch aus dem See. Dass dieser stark verschmutzt ist und in den vergangenen Jahren mit einem starken Rückgang des Wassers zu kämpfen hat, hatten wir bereits gelesen. Zumindest der Rückgang des Wasser ist auch Thema in den Gesprächen mit Silverio und Ruben.
Durch ein Förderprojekt des Landes werden die Uros momentan mit Toiletten- und Badezimmer-Einheiten versorgt. Diese können das Wasser aufbereiten und bieten so fließend Wasser für die Bewohner. Nicht unwichtig, auch wenn man auf einer Insel wohnt.
Am Abend nimmt uns Silverio wieder auf dem Boot mit, er legt jeden Abend ein Netz aus und wir dürfen assistieren. Das Netz wird dann sehr früh am nächsten Morgen wieder eingeholt. Meistens sind nicht viele Fische drin, aber einige Karachi (etwas größere Fische) und wenige Ispi (kleinere Fische) sind trotzdem ins Netz gegangen. Die Karachi werden uns direkt danach zum Frühstück aufgetischt. Dann wollen wir weiter nach Amantani, eine der zwei größeren Inseln (also jetzt, echte Inseln). Die Weiterfahrt gestaltet sich etwas schwierig, das Wassertaxi kommt leider nicht und so sucht Silverio uns eine Touristengruppe, die gerade Stop auf den Uroinseln macht und danach nach Amantani weiterfährt. Dort haben wir uns schon eine Unterkunft gesucht, diese müssen wir aber noch stark mit dem Kapitän verhandeln. Denn der Tourismus auf den Inseln ist gemeinschaftliche organisiert, Hotels gibt es keine und die Kapitäne haben bestimmte Familien mit denen sie zusammenarbeiten und so ist mit dem Boot, mit dem man kommt, auch schon das Dorf und die Familie festgelegt, in welcher man übernachtet.
Nachdem unser Kapitän unabgesprochen einen Hafen später anfährt, muss unsere Gastgeberin noch schnell an der Küste entlangsprinten, um uns einzusammeln. Mit unserem ganzen Gepäck geht es danach bergauf in die Unterkunft. Wir bekommen ein hervorragendes Mittagessen und wandern dann einen der beiden Berge (ein Berg für Pachamama – Mutter Erde und ein Berg für Pachatata – Vater Erde, beide über 4000m) hinauf, auf dem eine Art Tempel steht. Gegenüber liegt der zweite Berg, der etwas niedriger ist und auch eine Tempelanlage beherbergt, beide Tempelanlagen gehen auf die Inka- und Tiwanakukultur zurück. Einmal im Jahr gibt es ein Fest, bei dem die Bewohner der Insel in zwei Gruppen aufgeteilt werden und eine Art Wettlauf zwischen den Tempelanlagen stattfindet. Generell sind die Inseln wunderschön. Es gibt keinerlei Autoverkehr und ein Großteil der Insel wird landschaftlich genutzt und ist daher mit Terassenfeldern übersäht. Wir unternehmen eine sehr schöne Wanderung und erreichen die Bergspitze von Pachamama, bevor die übrigen Touristen ankommen. Bevor es dunkel wird, sind wir gerade wieder zurück und bekommen Abendessen. Am kommenden Morgen sind wir wieder mit dem selben Kapitän und Boot verabredet, denn die Gruppe fährt ebenfalls weiter nach Tamile, die zweite Insel. In Tamile müssen wir mit dem ganzen Gepäck auch wieder erst einmal bergauf, um zu dem zentralen Platz der Insel zu kommen. Auch hier ist der Tourismus gemeinschaftlich organisiert, wir haben Glück und können bei dem jungen Mann übernachten, bei dem die Gruppe auch Mittag isst. Am Nachmittag verabschieden wir uns von der Gruppe, die wieder nach Puno fährt und wandern zur Südspitze der Insel, wo es Strand gibt. Zum baden ist es natürlich zu kalt, aber die Landschaft ist beeindruckend und nach und nach legen die Tourenboote ab und es wird ruhiger auf der Insel. Besonders beeindruckend sind die Trachten, die hier alle Bewohner ganz selbstverständlich tragen. Handarbeit ist hier übrigens meist in Männerhand und die „strickenden Männer“ von Tamile gehören zum immateriellen Weltkulturerbe. Am nächsten Tag schwächeln wir etwas, es wird also viel gelesen. Am kommenden Tag suchen wir uns dann ein Boot zurück nach Puno.
In Puno haben wir noch zwei Nächte, bevor wir mit dem Bus nach La Paz fahren und dabei quasi problemlos in Bolivien einreisen. Es gibt an der Grenze noch etwas Verwirrung wegen meines Arbeitsvisums und wir müssen unsere Bananen und die Mango abgeben (man darf nichts frisches einführen), aber ansonsten läuft alles reibungslos.
Wir haben ein wenig hin und her überlegt: Wollen wir nach Machu Picchu oder erkunden wir lieber weniger bekannte Inkastätten? Als wir uns am Ende für Machu Picchu entscheiden, ist bereits Mitte Dezember. Aber das Glück ist auf unserer Seite: erst zwei Tage später wird der Vorverkauf für 2019 geöffnet, andernfalls hätten wir vermutlich gar keine Tickets mehr bekommen.
Die Tickets wollen wir online kaufen. Nachdem der Server des peruanischen Kulturministeriums erst anderthalb Tage ganz ausgefallen ist, können wir mit viel Geduld schließlich Tickets buchen, nur um dann im entscheidenden Schritt – der Bezahlung – eine Fehlermeldung zu erhalten. Nun fängt das Chaos erst richtig an: wir schreiben Mails an die angegeben Adresse, nachdem Anrufe nicht durchkommen und bekommen lediglich eine wenig hilfreiche Antwort zurück. Am Abend kommt dann eine Mail, die zwar etwas aussagekräftiger ist, aber leider an über 300 Adressen in CC (Ausrufezeichen) verschickt wurde, sodass mein Mailfach die kommenden Tage mit verzweifelten, teils auch wütenden Mails anderer potentieller Machu Picchu Besucher überquillt. Wir müssen den Bezahlvorgang erneut vornehmen und darauf vertrauen, dass der als bereits vorgemerkte Betrag vom ersten Versuch nicht abgebucht wird. Long story short – klappt auch.
Auf den Tickets steht: 2. Januar 2019, 6.00 Uhr Morgens, Machu Picchu und Montaña Huayna Picchu. Zum Zeitpunkt der Buchung war uns leider noch nicht klar, dass wir dafür um sechs Uhr morgens am 1. Januar in Cusco würden aufbrechen müssen. Nach Agua Calientes (der Ort, in dem alle Machu Picchu Besucher übernachten) kommt man nämlich nur zu Fuß (dauert mehrere Tage), mit dem Zug (recht teuer und wegen Baustellen nur die Hälfte der Strecke) oder nach acht Stunden Fahrt mit dem Minibus und drei Stunden Fußmarsch entlang der Eisenbahnschienen. Wir entscheiden uns für die letztere Variante.
Nach ca. fünf Stunden Serpentinen im Minibus gibt es eine Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten: Eine Brücke ist eingestürzt und es hat sich ein lange Schlange zum Durchfahren des Flusses gebildet, da ab und zu ein Auto im Fluss stecken bleibt und dann rausgezogen werden muss. Wir müssen alle aussteigen und eine provisorische Fußgängerbrücke benutzen, damit der Bus an der entscheidenden Stelle ein bisschen leichter ist.
Als wir am späten Nachmittag ankommen, bleiben noch die drei Stunden Fußmarsch entlang der Schiene. Die Schiene, auf der auch der Zug fährt, den wir hätten nehmen können. Die Landschaft ist schon jetzt sehr schön. Einige Züge überholen uns. Sie tuten viel, ein mal muss er sogar anhalten, um einen Touristen, der gerade ein Selfie mit dem Zug machen möchte, nicht zu überfahren. Der Zugführer steigt extra aus, um ihn noch ein bisschen klein zu machen. Uns schließen sich zwei Wanderkumpanen an, ein Franzose und ein Amerikaner.
Agua Calientes selbst ist nicht sonderlich spannend, es gibt nur einen Grund, sich dort aufzuhalten. Am Morgen des 2. Januars – langsam üben wir uns in dem frühen Aufstehen – reihen wir uns in eine bereits beachtlich lange Schlange ein. Um Punkt 5.30 Uhr fährt der erste Bus vor, danach geht es im Minutentakt weiter. Wir finden uns im 4. oder 5. Bus wieder. Dieser schlängelt sich zahlreiche Serpentinen den Berg hinauf. Als wir oben ankommen, hängen die Wolken noch tief über den Bergen und bieten nur ab und zu den Blick auf die Ruinen von Machu Picchu. Die Atmosphäre ist alleine schon dadurch besonders, auch wenn wir uns nun in der vermutlich größten Touristenansammlung seit Abreise wiederfinden.
Zunächst jedoch lassen wir dir Ruinen links liegen und gehen Richtung Huayna Picchu, das ist der etwas spitze Berg, der auf eigentlich allen Fotos von Machu Picchu zu sehen ist. Kurz nach sieben Uhr passieren wir das gesonderte Eingangsgate und machen uns mit 198 weiteren Personen an den Aufstieg.
Wir scheinen noch recht gut trainiert zu sein, jedenfalls sind wir unter den ersten, die die Ruinen auf dem Gipfel erreichen – mittlerweile haben sich auch die Wolken weitestgehend verzogen und wir haben eine guten Blick auf die alte Ruinenstadt. Wieder unten angekommen, suchen wir uns einen Guide – in diesem Fall Jessica, die später erzählt, dass es einer ihrer letzten Tage dort ist, weil sie mit ihrem Verlobten eine eigene Touristenagentur gründen wird. Zwischen den Ruinen hat es sich mittlerweile gut gefüllt, die beliebtesten Fotoperspektiven werden vielfach aufgenommen und auch wir dürfen den Fotoanweisungen von Jessica folgen: von Vorn, von Hinten, und ein Mal den Berg umklammern bitte! Aber beeindruckend ist es allemal, besonders, da viele Aspekte der Inkakultur bis heute nicht eindeutig erklärt werden können und so sind vielen Dinge reine Spekulation. Die Führung und Hintergrundinfos von Jessica bieten aber eine grobe Orientierung und mit ihrer Hilfe können wir auch in unscheinbar aussehenden Steinen plötzlich etwas besonderes entdecken – wie fein die Steine fugenlos zusammengefügt sind, das Bad des Inka oder speziell geformte Steine, die als Sonnenwarten dienten.
Bei uns drängt die Zeit leider etwas, wir müssen noch 3 Stunden entlang der Bahnschienen zurück, um zu dem Minibus zu gelangen, der uns nach Cusco bringt.
Eigentlich soll es am ersten Morgen gleich um 6 Uhr los zu einer kleinen Lagune gehen, aber das Wellblechdach verrät, dass es ausgiebig regnet und so können wir etwas länger liegen bleiben. Als der Regen nach dem Frühstück etwas nachlässt, geht es endlich los. Darwin rüstet uns mit Gummistiefeln aus, wir werden sie brauchen. Nach einem kleinen Fußmarsch kommen wir bei der Lagune an, mit einem Balsafloß schippert uns Darwin auf die andere Seite, wo wir eine kleine Runde drehen. Es ist schwül-warm und die Geräuschkulisse kann sich hören lassen. Besonders die Hoatzin können wir beobachten, große Vögel, die in mehrerlei Hinsicht sehr besonders sind. Seine Verwandtschaft zu anderen Vögeln ist gänzlich ungeklärt, weswegen sie meistens einer eigenen Ordnung zugeordnet werden. Die Jungtiere haben Krallen an den Flügeln, um wieder ins Nest zu gelangen, falls sie dort einmal herausfallen. Das Verdauungssystem der Vögel erinnert an Wiederkäuer, was dazu führt, dass sie nicht sonderlich gut riechen und auch Stinkvogel genannt werden.
Später am Tag geht es mit dem Geländewagen weiter (wichtig, da es einige Flüsse zu durchqueren gilt), bis nach Shintuya wo wir Omar wieder treffen und Jochen einsammeln. Jochen gehört zur Volksgruppe der Harakmbut und wird das kleine Boot lenken, mit welchem wir flußabwärts auf dem Alto Madre de Dioszu einem kleinen Ressort fahren. Das gehört ebenfalls seinem Stamm und verfügt über eine wunderbare heiße Quelle zum ausgiebigem Baden. Hier bleiben wir die kommenden zwei Nächte und machen weitere Ausflüge in die Umgebung. Dabei muss der Tagesablauf gut geplant werden, sobald es einmal etwas länger nicht regnet, geht es entweder mit dem Boot noch tiefer in den Regenwald oder wir starten direkt von dem Camp aus und wandern zum nahegelegenem Wasserfall um auch dort ein Bad zu nehmen.
Die Wanderungen durch den Wald werden alle paar Minuten unterbrochen und Darwin erklärt uns spannende Dinge, die uns ohne ihn wohl gar nicht aufgefallen wären. Die Tier- und Pflanzenwelt ist einfach nur überwältigend, wir lernen Termiten- von Ameisenbauten zu unterscheiden (Termiten scheuen das Licht und haben deswegen geschlossene Kanäle den Baum herunter), ebenso wie verschiedensten Überlebenstrategien, die sich die Bewohner ausgesponnen haben.
So gibt es die Blattschneiderameisen, die die Blätter von teils wirklich weit weg herantragen. Die Blätter werden klein geschnitten, in speziellen Kammern aufbewahrt, wo dann Pilze auf den Blätter wachsen, von denen sich die Ameisen ernähren.
Die Azteca-Ameisen haben eine andere Strategie: sie gehen eine Symbiose mit bestimmten Bäumen ein und leben unter der Rinde des Stamms und ernähren sich von den Nährstoffen des Baumes. Im Gegenzug sorgen sie dafür, dass der Baum optimal wachsen kann, in dem sie alle Pflanzen im Umkreis abtöten. Sehr deutlich sind um die Stämme Umkreis von zwei Metern nicht einmal Sprösslinge zu sehen.
Beindruckend sind auch die Stelzenpalmen, laufenden Bäume, die ihr Wurzeln von oben nach unten wachsen lassen und je nach Bedarf – zum Beispiel bei besseren Lichtverhältnissen – ganz langsam wandern, in dem sie ihre Wurzeln immer nur in eine bestimmte Richtung ausbilden und die Wurzeln in der anderen Richtung absterben. Dieses laufen benötigt dann natürlich ein paar Jahrzehnte für ein paar Meter.
Eine weniger freundliche Überlebensstrategie hat die Strangler Fig, welche sich nach und nach um einen Baum schlingt und sich von diesem dann so lange ernährt, bis er gänzlich verschwunden ist.
Wir sehen verschiedenste Affen, einige von ihnen erwischen wir sogar dabei, wie sie sich an dem Bananenbaum vergreifen, welcher in der Nähe des Comidors (großes Gemeinschaftshaus, in dem gegessen wird) steht. So gab es dann nur am ersten Morgen Bananen zum Frühstück. Jochen verpasst uns die für die Harakmbut typischen „Tatoos“, Darwin würde sagen, dass sie so ähnlich sind, wie auch die Angehörigen des Stammes, etwas groß und eher grob. Die Tattoos basieren auf dem Saft einer Frucht funktionieren mit der selben wirkweise wie Henna-Tattoos in Indien, sie bleiben ca. eine Woche sichtbar. Am zweiten Tag gehen wir in der Nähe der alten Farm von Darwins Familie wandern und beobachten dabei unter anderem nistende Hellrote Aras. Mittlerweile steht auf dem Gelände der ehemaligen Farm von Davids Familie eine recht große Ressort-Anlage, die über Weihnachten aber komplett leer steht.
Nach zwei Nächten im Dschungel ohne jeglichen Straßenanschluss geht es mit Boot und Geländewagen wieder zurück nach Salvacion. Hier verbringen wir noch einmal 2 Nächte und nutzen tagsüber die Gelegenheit, uns im Ort umzuschauen, Bananenchips zu essen, Bier zu trinken und den Fußballspielen zu folgen. Der Ort ist Hauptstadt der Region und hat demzufolge ein ansehnliches Verwaltungsgebäude, was mitten auf der grünen Wiese steht.
Außerdem entspannen wir ein wenig in dem sehr schönen Garten von Darwin und Melba und lauschen der beeindruckenden Geräuschkulisse aus Vögeln, Fröschen und immer wieder Regenfällen mit starken Gewittern. Als Tribut an Weihnachten, welches wir hier denkbar unweihnachtlich begehen, trinken wir an einem Abend selbstgemachten Glühwein mit Darwin. Bei ohnehin kuschligen 25 Grad.
Auf dem Rückweg nach Cusco halten wir noch in einem Tiershelter. Hier landen Affen, Papageien und sonstige Tiere, die als Haustiere gehalten werden sollten, bevor die Besitzer gemerkt haben, dass sich Wildtiere eher schlecht im Haus machen. Viele sollen wieder ausgewildert werden, einige – besonders die beiden Affen – sind mittlerweile aber sehr an Menschen gewöhnt und werden wohl eher bleiben. Immerhin gibt es keine großen Zäune oder ähnliches, was sie davon abholten würde, diesen Ort zu verlassen. So traurig die Geschichten der Tiere teils auch sind – irgendwie ist es trotzdem beeindruckend, diese dann einmal aus unmittelbarer Nähe und nicht immer nur durch das Fernglas sehen zu können. Wir sehen Zweifingerfaultiere (jung und alt), einen Tapir, einen Klammeraffen, ein gehaubtes Kapuziner-Äffchen, verschiedene Aras, eine Schlange, Schildkröten und Wildschweine.
Aus der Idee, die Cordillera Huayhuash in einer 10 Tageswanderung zu umrunden, wird leider nichts. Die Wettervorhersage ist wenig optimistisch und schweren Herzens folgen wir dem Rat Orlandos, der uns statt dessen den Santa Cruz Trek mit anschließender Wanderung zur Laguna 69 empfiehlt, insgesamt 5 Tage mit rund 80 km Strecke in der Cordillera Blanca.
Wir werden auf der Wanderung von einem Guide und einem Arriero (Eseltreiber) begleitet, der mit seinen Tieren einen Großteil des Equipments (Verpflegung, Zelte etc.) transportiert und auch für den Auf- und Abbau des Camps verantwortlich ist. Es fühlt sich etwas komisch an, mit einer so großen Karawane unterwegs zu sein, aber es ist zugegebenermaßen auch sehr praktisch.
Cesar, unseren Guide für die Wanderung, lernen wir bereits bei Abreise in Huaraz kennen. Renaldo, der uns mit zwei Eseln, einem Muli und einem Pferd begleitet, treffen wir in Cashapampa, dem Ausgangsort unserer Wanderung.
Die Strecke an Tag 1 ist mit rund 13 km nicht so lang, dafür geht es fast 1000m hoch, zu unserem ersten Camp, welches auf über 3700 Höhenmetern liegt. Tag 2 ist etwas länger, insbesondere weil wir einen kleinen Abstecher zu einem schönen See auf über 4400m Höhe machen. Nach 22km kommen wir am Nachmittag recht erschöpft im Camp an. Wie schön der Ausblick von hier ist, sehen wir aufgrund der Wolken erst am nächsten Morgen.
In die Tagesroutine finden wir uns schnell ein: um 6 Uhr wird mit einem Coca-Tee aufgestanden, dann Sachen packen, Frühstück und los. Unterwegs machen wir kleinere Pausen, Cesar hat am Abend zuvor jeweils das Mittagessen des kommenden Tages zubereitet. Gegen 16-17 Uhr kommen wir wieder im neuen Camp an, ein wenig verschnaufen, später Dreigängemenü mit Cesar und Renaldo im Gemeinschaftszelt, in dem Cesar auch kocht, was es schön warm macht. Gegen 20 Uhr sind wir meistens schon im Schlafsack verschwunden und entgehen so dem Regen, den es nahezu jeden Nachmittag bis in die Nacht hinein zuverlässig gibt. Gerne auch mal am Morgen oder über Mittag. Je nachdem – Regenzeit eben. Um so mehr schätzen wir die Momente, in denen die Sonne raus kommt.
Was unsere Karawane noch etwas größer werden lässt: ab der ersten Minute werden von einer trächtigen Hündin begleitet. Cesar und sie sind alte Bekannte, er berichtet, dass sie wie einige andere Hunde auch, sich immer wieder den verschiedenen Wandergruppen anschließt und 4 Tage in die eine Richtung und dann wieder 4 Tage zurück in die andere Richtung läuft. Sie folgt uns ständig und ist äußerst zuverlässig dabei, alle Essensreste zu beseitigen. Wir schließen sie schnell in unser Herz und nennen sie liebevoll Perrita.
Tag 3 ist besonders und wir haben vor Beginn der Wanderung den meisten Respekt vor diesem Tag, den er bedeutet direkt zu Beginn einen steilen Anstieg auf über 4700 Höhenmeter, hinauf zum Pass Punta Union, der Teil der kontinentalen Wasserscheide ist: die Flüsse auf der Bergseite, die wir hochsteigen, fließen in den Pazifik, die auf der Bergseite, die wir hinabsteigen, durch den Regenwald und diverse Länder in den Atlantik. Auf dem Weg nach unten begegnen wir erstmals größeren Gruppen, die mit noch mehr Eseln unterwegs sind, die Wanderer haben sichtbar mit der Höhe und dem Anstieg zu kämpfen. Dabei gibt es auch bei uns den ersten Verlust zu verzeichnen. Perrita entschließt sich ohne große Verabschiedung bereits jetzt umzudrehen und den anderen Gruppen zu folgen. Mehr Esel bedeutet mehr Essen für sie. Nach einem langen Abstieg kommen wir nach rund 18 km bei Hagelregen in unserem Camp an.
Tag 4 ist bereits das Ende des klassischen Santa Cruz Treks. Am Morgen – bei klarer Sicht – entdecken wir, dass unser Camp bereits in Sichtweite zu einem kleinen Dorf war. Wir steigen weiter hinab um dann auf der anderen Talseite wieder hochzusteigen. Hier verabschieden wir uns von Renaldo und seinen Tieren und warten mit Cesar und dem ganzen Equipment auf das nächste Colectivo, welches uns zu unserem nächsten Camp an einem großen See bringen soll. Das Colectivo kommt und ist bereits gut gefüllt, eine Band mit Instrumenten – inklusive Harfe – belegt einen Großteil des Transporters. Cesar guckt skeptisch, aber der Fahrer, der gleich raus springt, sich am Bauch kratzt und dann flugs aufs Dach krakelt ist sehr davon überzeugt, dass er alles mitbekommt. Bekommt er auch. Wir nehmen die letzten drei Sitzplätze ein und holpern zwei Stunden über unbefestigte Straßen. Dabei bewundern wir die Fähigkeit der Peruaner quasi überall und in jeder Körperhaltung zu schlafen. Tolle Eigenschaft.
Am See angekommen, werden die Zelte errichtet und Mittag gekocht. Wir warten den Regen ab und spazieren dann noch einmal die Straße entlang und bewundern die schönen Seen. Hier trifft man bereits die Reisebusse, die von der Tour zum Lake 69 zurück kommen. Morgen werden wir auch dorthin aufbrechen.
Der Lake 69 liegt auf über 4500 Höhenmeter, die Wanderung dorthin sind von unserem Camp rund 8 km. Der See – tatsächlich nur mit Nummer, ohne weiteren Namen – ist ein gefragtes Ausflugsziel für Tagestouristen aus Huaraz. Mit einem frühen Start von unserem Camp aus können wir dem Ansturm etwas entgehen und haben den See am frühen Morgen ganz für uns. Als wir oben ankommen, regnet es leider. Der Ausblick am See ist ohne Wolken vermutlich noch etwas spektakulärer, aber wir sind trotzdem beeindruckt. Eine kleine Ente dreht einsam ihre Runden auf dem See. Auf dem Weg bergab sehen wir nicht nur viele andere Wanderer, sondern auch den höchsten Berg Perus, den Huascarán Sur mit 6768 Metern. Nach einem letzten Mittagessen im Camp geht es zurück nach Huaraz, ca. 3 Stunden im Auto.
Am Abend treffen wir uns noch mit Cesar, Orlando, einem anderen Paar und ihrem Guide im Haus von Orlando. Es gibt sehr viel und sehr gutes Essen, dazu viel Pisco Sour, der direkt aus einem großen Mixer serviert wird.
Gerade weil die fünf Tage eine so schöne Erfahrungen waren, nehmen wir uns fest vor, irgendwann wieder zu kommen und doch noch die Umrundung der Cordillera Huayhuash zu machen.
Nach Huaraz sind wir gekommen, um zu wandern. So wie ungefähr alle anderen Touristen hier auch. Allerdings sehen wir kaum welche, es ist Regenzeit und Nebensaison und dementsprechend leer. Huaraz ist eine nette kleine Stadt, etwas rauer als das hübsche Arequipa. Am Plaza de Armas steht ein großes unfertiges Gebäude – die örtliche Kirche, welche im letzten großen Erdbeben in den Achtzigern zerstört wurde und seitdem wieder neu aufgebaut wird. Wir testen das örtliche Straßenessen und bestaunen mehr oder weniger unauffällig die bunten Trachten der Frauen, die hier nicht nur Folklore sondern noch Alltagskleidung sind.
Durch Internetrecherche und viele Mails später, finden wir eine nette kleine Agentur für Wandertouren, betrieben von Orlando, dem wir uns anvertrauen. Direkt am ersten Morgen nach unserer Ankunft treffen wir uns mit ihm und besprechen die Möglichkeiten. Da Timur noch eine Woche remote arbeitet, bleibt uns noch etwas Zeit, kürzere Wanderungen zu unternehmen und regelmäßig das Wetter zu checken.
So geht es einen Tag zu einem Ausguck oberhalb von Huaraz, welches in einem schönen Tal liegt: Bei gutem Wetter wird der Ausblicke auf die schneebedeckten Berge ringsum frei. Am anderen Tag fahren wir mit dem Colectivo (Sammeltaxi) vor die Stadt und wandern dort zwischen pittoresken Dörfern und Feldern bergauf zu einer kleinen Lagune. Dabei werden wir meistens von einem oder zwei Hunden begleitet, die schnell so viel Herdeninstinkt entwickeln, dass sie uns tapfer gegen andere Hunde verteidigen.
Mit diesem kleinen Trainingsprogamm und einer Woche Akklimatisation in Huaraz, sollte der großen Wanderung nun nichts mehr im Wege stehen.
Das Mittagessen nimmt in der peruanischen Küche einen wichtigen Platz ein, wichtiger als das Abendessen. Dies führt auch dazu, dass ein Großteil der Restaurants abends geschlossen hat. Mittags gibt es dafür eine Vielfalt an Lokalen, die wechselnde Mittagsmenüs – Entrada, Segundo, Refresco und Postre – für 8 bis 12 Soles (2 bis 3€) anbieten. Wir gewöhnen uns recht schnell daran und finden nahe der Sprachschule ein Restaurant, welches uns direkt am ersten Tag deswegen ins Auge sticht, weil es auch Salat anbietet, was in Peru sonst eher selten ist.
Nachdem wir noch zwei-drei andere Restaurants in der Nähe ausprobiert haben, beschließen wir, dem Restaurant ohne Namen von Tag eins die Treue zu halten. Wir werden dort Caseros, Stammgäste. Sehr schnell begrüßt und verabschiedet man uns außergewöhnlich freundlich und als wir am letzten Tag unsere Weiterreise verkünden, zeigt der nette Kassierer kurz echte Betroffenheit. Man wünscht sich alles Gute für die Weiterreise und überhaupt das Leben.
Manchmal wird das Mittagessen nicht nur von den TV-Nachrichten (Hauptthemen: die Korruption und das bevorstehende Verfassungs-Referendum) begleitet, sondern ab und an verirren sich auch Musiker ins Restaurant und geben Klassiker zum besten.
Hier essen wir auch zum ersten Mal Aji de Gallina, ein peruanisches Gericht, welches entfernt dem deutschen Hühnerfrikassee ähnelt. Vor einiger Zeit hatten wir das Essen schon einmal in Berlin gekostet, damals hatte Evelyn es gekocht, allerdings etwas schärfer, als das Original es vorsieht. Natürlich schicken wir Evelyn ein Selfie mit dem Essen.
Mit Anfang Dezember zieht auch hier die Weihnachtsdeko ein – den Gesichtsausdruck des Santa Claus bekommen wir schon mal ganz gut hin.
An einem Samstag besuchen wir das Monasterio Santa Catalina, welches im Zentrum Arequipas liegt und zu den Highlights der Stadt zählt.
Das Kloster ist sehr alt und blickt auf über 500 Jahre Geschichte. Über 20.000 m2 groß ist das mauerumzäumte Gelände, quasi eine eigene kleine Stadt. Zwischenzeitlich lebten hier über 150 Nonnen und 300 Bedienstete – heute sind noch rund 20 Nonnen in dem Kloster.
Die ehemaligen Unterkünfte der Nonnen sind auffallend groß, mehrere Räume sowie eine eigene große Küche waren eher der Standard. Santa Catalina war ein Kloster für die Töchter reicher spanischer Familien, die auch während des Klosterlebens noch einiges an Luxus genießen konnten. Irgendwann wurde es einem der Päpste zu bunt, er schickte eine strenge Ordensschwester, die dem Treiben Einhalt gebieten sollte. Sie entließ Bedienstete und schenkte Sklavinnen die Freiheit, Luxusgüter der Nonnen wurden nach Europa gebracht. In den siebziger Jahren wurde ein Großteil zum Museum umgebaut, nur ein kleiner Teil ist heute noch als Kloster in Benutzung.
An einem Samstagabend sind wir mit Alejandro in einer kleinen Bar verabredet, in welcher an dem Abend eine Band Cumbia und Salsa spielt. Die Stimmung ist gut und es wird viel getanzt. Bier gibt es nur in Flaschen der Größe 0,6l und Cola nicht ohne Rum. Nur der DJ, welcher auf die Band folgt, zündet bei uns leider nicht so ganz. Trotzdem ein gelungener Abend und ganz vielleicht können wir uns demnächst doch noch einmal dazu durchringen, auch mal einen Tanzkurs zu machen, zu dem Alejandro uns ohnehin schon die ganze Zeit überreden will.