Rückkehr

Ende Juli geht es nach den neun Monaten auch für mich zurück nach Deutschland. Vorfreude auf Freunde und Familie sowie die eigene Wohnung mischt sich mit Abschiedsschmerz. Bis quasi zum vorletzten Tag bin ich noch mit der Humboldtroute unterwegs, dann geht es – die letzten Kilometer auf dem Motorrad und mit dem Bus – zurück nach Cartagena, wo mir noch ein Tag und zwei Nächte bleiben. Ich gehe noch einmal surfen, esse ein letztes Mal von dem wundervoll gekochten Essen von Señora Joheida in der Casa Cultural und gehe Abends noch mit den Kollegen ein Bier trinken. Meinen Rucksack packe ich natürlich auch und dabei nutze ich gleich die Gelegenheit, mich von einigen Sachen gleich ganz zu verabschieden. 

Nach einem Zwischenstop von 8 Stunden in Bogotá geht es dann direkt nach München. Mit dem älteren, kolumbianischem Ehepaar die im Flieger neben mir sitzen und nun in Deutschland ihre Tochter besuchen wollen, freunde ich mich schnell an. In München geht dann alles erstaunlich reibungslos und genau darauf hatte ich gesetzt, denn ein Zugticket für den letzten Zug nach Berlin hatte ich mir trotz der knappen Zeit zwischen Landung und Abfahrt schon vorher gekauft. Ich habe Glück und am Bahnhof in München sogar noch Zeit, mich mit Proviant, Zeitung und einem Bier einzudecken. Dank der Zeitumstellung fühlt es sich für mich an, als wäre es mitten am Tag, als ich kurz vor halb 2 Uhr Nacht endlich am Südkreuz ankomme. Und ja, es ist unglaublich ungewohnt, plötzlich fast nur noch Deutsch um sich herum zu hören.  

Santa Cruz de Mompós

Ohne größeren Grund nehme ich mir vor, nach Mompós zu reisen. Ich habe gehört, dass die Stadt schön sein soll, möchte noch einmal weiter ins Landesinnere und zudem ist Mompós die Endstation der geplanten Humboldt-Route. Simon Bolivar kämpfte hier gegen die Spanier, Humboldt machte Station und noch heute ist die Stadt bekannt für ihre filigrane Goldschmiedekunst, ebenfalls ein Überbleibsel der aus Spanien kommenden Juden und Christen, die die Stadt früher zu Reichtum brachten. Also mache ich mich auf eigene Faust auf in die kleine Stadt am Río Magadalena. 

Etwas später als geplant komme ich an dem Tag los und suche im großen Busterminal nach einem Bus nach Mompós. Man sagt mir, dass es kaum direkte Busse gibt. Also steige ich in einen Bus nach „El Bongo“ von wo aus es angeblich Busse nach Mompós geben soll. Nach ca. 1,5 Stunden Wartezeit setzt sich der Bus in Bewegung. Nach rund 5,5h Fahrt kommen wir in dem 200km entferntem El Bongo an – die Zeit/Entfernungsachse vermittelt einen guten Eindruck unserer Geschwindigkeit und der Straßenzustände. El Bongo ist eigentlich nur eine Straßenabzweigung mit einigen Tiendas. Ich spreche mit einigen der herumstehenden Taxifahrer. Auf meine Aussage, dass ich nach Mompós möchte, erwidern sie immer wieder Magangué – was zu einigen Verwirrungen führt. Es stellt sich heraus, das man erst nach Magangué muss um dann mit einem Boot und dann einem Motorrad weiter nach Mompós fahren kann. Eine solche Abwechslung der Verkehrswechsel hatte ich gar nicht unbedingt erwartet. Aber nun hilft es ja nichts – der Fluss muss irgendwie überquert werden. 

Aber erst einmal warte ich ein wenig in El Bongo, bis der Wagen voll ist. Die Taxifahrer kümmern sich gut um mich, geben Wasser aus und achten darauf, dass ich auf dem Beifahrersitz lande. Es geht noch einmal gut eine Stunde durch schöne Landschaft nach Magangué. Da die Uhrzeit mittlerweile fortgeschritten ist und ich nicht riskieren möchte, auf der anderen Flussseite im Dunkeln nach einem Motorrad suchen zu müssen, entschließe ich mich die Nacht in Magangué zu verbringen. Ich erkunde ein wenig die Stadt, aber die Bewohner scheinen mit meiner Anwesenheit etwas überfordert. Ich checke in ein SEHR einfaches (und günstiges) Hotel ein, aus dem mich dann direkt eine Mitarbeiterin begleitet, als ich mich zur Erkundung aufmache. Nachdem wir auf dem Hauptplatz gemeinsam Tinto (kleinen schwarzen Kafffee) getrunken haben, ziehe ich alleine weiter. Nirgendwo wurde ich zuvor so skeptisch beäugt und nirgendwo haben mir zuvor so viele Leute gesagt, dass ich besser nicht alleine durch die Gegend laufen sollte, wie an diesem frühen Abend in Magangué. Ich glaube, hier verirren sich einfach nie Touristen hin. Irgendwann wird mir das etwas anstrengend und mit beginnendem Regen ziehe ich mich in mein Hotelzimmer zurück. 

Am nächsten Tag frühstücke ich frischen Saft und Patacones (Fladen aus frittierter Kochbanane) am Hafen und nehme ein frühes Boot, welches in 45 Minuten Fahrt den großen Fluss überquert und in Bodega hält. Von dort ist es dann noch einmal eine Stunde mit dem Motorrad nach Mompós. Endlich dort angekommen schlendere ich durch die koloniale Stadt und bringe bei den beiden Busunternehmen des Ortes schon einmal in Erfahrung, welche Möglichkeiten ich für die morgige Rückreise habe.

Am Nachmittag mache ich eine Bootstour auf dem Fluss, bei welcher sich viele Vögel und Leguane beobachten lassen. Wir sehen große Gruppen von Kindern, die sich im Fluss badend Schlammschlachten liefern und treffen zahlreiche Fischer in den typischen schmalen Booten. Es ist unglaublich heiß. 

Am nächsten Morgen lerne ich beim Frühstücken in einem Café Jaime kennen, der in Mompós lebt und dabei ist, ein Hostal aufzubauen. Wir kommen ins Gespräch und ich berichte ihm von meiner Arbeit in Cartagena. Er zeigt mir noch ein Haus, in dem Humboldt während seines Aufenthalts in Mompós wohnte und weißt mich auf die Gedenktafel hin. 

Gegen Mittag steige ich in den Bus, der mich Richtung Cartagena bringt. Ca. 70km vor der Stadt muss ich jedoch aussteigen – der Bus fährt in eine andere Richtung weiter und ich begebe mich wieder einmal auf die Suche nach einem Fortbewegungsmittel. An der Straße warten bereits größere Gruppen auf Busse nach Cartagena, aber alle die in der nächste Stunde vorbei kommen, sind sehr voll und nehmen kaum noch Leute mit. Also schließe ich mich mit drei weiteren Wartenden zusammen und nehme ein Auto, welches sich als Taxi anbietet. Dieses ist zwar etwas teurer als der Bus, aber immerhin geht es sofort los und es bringt mich in Cartagena sogar wieder direkt in mein Viertel.

Surfen

Seit langem schon wollte ich Surfen lernen. Also, Wellenreiten, nicht Windsurfen. Da das in Deutschland kaum möglich ist und es sich bislang auch während keinem meiner bisherigen Urlaube ergeben hat, ist jetzt quasi meine große Stunde. Man kann einfach nicht direkt am Karibischen Meer wohnen und das nicht ausnutzen. Also recherchiere ich eine Surfschule – nicht allzu schwer, denn es scheint in Cartagena nur eine zu geben – und vereinbare eine Probestunde. Es ist Timurs vorletzter Tag in der Stadt und so kann er gleich noch mitkommen. 

Pablo, der Betreiber der Surfschule ist super nett und sehr unkompliziert. Man hat während der Unterrichtszeit immer einen persönlichen Lehrer und der Erfolg spricht für sich. Wir sind überrascht, wie schnell es uns dann doch gelingt, uns auf dem Brett aufzurichten und im Idealfall stehen zu bleiben. Nach den zwei Stunden im Wasser sind wir ordentlich geschafft und lassen uns von Pablo ein kleines Restaurant in der Nähe empfehlen. Besonders unser Durst ist riesig, scheinbar haben wir doch ab und an etwas Meerwasser geschluckt. 

Von den ersten Erfolgen angetan, gehe ich in den kommenden Wochen immer wieder zum Strand und nehme Unterricht. Die Wellen sind mal kleiner und mal größer. Später kann ich auch einige meiner deutschen Kolleginnen dafür begeistern. Der frühe Erfolg beim Surfen erklärt sich damit, dass die Lehrer am Anfang das Brett gut festhalten und im entscheidenden Moment, wenn die Welle kommt, kräftig anstoßen. Aber in den letzten Wochen komme ich immer mehr dazu, mir meine Wellen selbst auszusuchen und durch kräftiges paddeln und schnelles aufstehen, surfe ich dann tatsächlich auch mal die ein oder andere Welle. 

Old Town vs. Barrio

Cartagena, eine Stadt mit etwas mehr als einer Million Einwohnern, ist äußerst divers. Das merke ich jeden Tag, wenn ich aus meinem Viertel ins Büro der Casa Cultural Colombo Alemana laufe, welches mitten im historischen Zentrum liegt. Die Lage ist für so ein Kulturzentrum zweifelsohne sehr vorteilhaft, die Deutsch-Schüler und die Besucherinnen der Veranstaltungen können das Gebäude gut erreichen, zudem gilt das Zentrum (innerhalb der alten Stadtmauern) als recht sichere Gegend. 

Auch wenn ich – besonders in den ersten Tagen – sehr angetan von der Schönheit des Viertels bin und mit Ausdauer durch die kleinen Straßen mit den bunten Häusern schlendere, so sehr fällt doch auch auf, dass hier eine Fassade für die (größtenteils) internationalen Touristen aufgebaut wurde. Ursprüngliches findet man im Zentrum immer weniger und man gewöhnt sich schnell daran, ständig von Kellnern und Straßenverkäufern, die einem Zigarren, Schmuck oder sonstiges verkaufen wollen, angesprochen zu werden. Auffällig sind zudem die vielen Familien aus Venezuela, die auf den Straßen des Zentrums um Kleingeld bitten. 

In den meisten Häusern befinden sich nun Restaurants, hochklassige Hotels oder Souvenirläden. Eine kleine Fotostrecke des sehr gut erhaltenen Zentrums, welches auch zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört: 

In Getsemani, einem Viertel direkt neben dem Zentrum geht es ähnlich bunt zu, nur sind hier mehr Bars, Hostels und Graffitis zu sehen:

Den Kontrast dazu bilden die beiden Viertel Torices und Nariño, in denen ich jeweils einige Wochen wohnte. Torices ist nicht sonderlich aufregend, Nariño dagegen schließe ich direkt bei meinem ersten Besuch ins Herz. Hier ist immer Leben auf der Straße, vor jedem Haus sitzt jemand auf der Terrasse und beobachtet das Treiben auf der Straße. Zum Wochenende werden dann die Picos – sehr große Musikboxen – hervorgeholt und man liefert sich kleine Kämpfe der Lautstärke, so das einem mindestens immer 2-3 unterschiedliche Songs begleiten. Auf den Straßen finden sich insbesondere abends kleine Stände, an denen man Fast Food kaufen kann, zudem gibt es einige Kioske. 

Das Viertel liegt ein wenig am Hang des Berges, auf dem auch das alte Kloster steht, so dass ich von meiner Dachterrasse einen tollen Blick über Viertel bis hinunter zum Meer habe. Ich wohne hier bei einer kleinen kolumbianisch-deutschen Familie, wobei der deutsche Teil die meiste Zeit mit seinem Segelboot unterwegs ist. Aber das Haus ist schön, der Innenhof sehr grün (Mango- und Bananenbäume, nachts Flughunde) und die Dachterrasse das absolute Highlight. Die Kinder spielen auf der Straße und schnell werde ich von einigen Bewohnern regelmäßig begrüßt. Eine ältere Frau ruft mich zu sich heran, um mir zu erzählen, dass sie mich seit einigen Tagen regelmäßig sieht, sogar schon von mir geträumt hat und mir alles gute wünscht. Der Nachbarsjunge nimmt mich auf dem Motorrad mitten, als er mich ca. 500m vom Haus entfernt entdeckt. Äußerst praktisch, insbesondere, weil der Weg am Ende noch einmal steil bergauf führt.  Einziger Nachteil ist, dass ich quasi jedes Mal, wenn ich am späten Abend oder Nachts ein Taxi nach Hause nehme, mit den Taxifahrern diskutieren muss, weil ihnen das Viertel zu gefährlich ist. 

Ich freunde mich etwas mit Jordan an, einer der Nachbarsjungen, der seit seiner Geburt in dem Viertel wohnt. Er möchte zukünftige Touren für Touristen durch das Viertel anbieten und lernt deswegen sogar ein wenig Englisch. Ich biete ihm an, mit ihm einige Fotos zu machen, die er für Werbezwecke nutzen kann. So ziehe ich mit ihm zweimal durchs Viertel. Ca. 15 Minuten bergauf hat man einen großartigen Blick auf die Stadt und die „Straßen“ sind nur noch zu Fuß und manchmal auch noch mit dem Motorrad zu bewältigen. Eine Wasserversorgung gibt es hier oben nicht mehr, dafür eine Stelle, die Wasserkanister abfüllt, die dann von Eseln bergauf getragen werden. Jeden Tag. Jordan zeigt mir begeistert das Fußballfeld des Viertels und grüßt bei unserem Spaziergang immer gleichmäßig nach links und rechts. Häufig muss er anhalten und erklären, warum er eine „Gringa“, eine Weiße, im Schlepptau hat. Ich bin von der Tour so begeistert, dass ich Jordan an zwei meiner Kolleginnen vermittle. Sie wollen die Tour an dem Tag machen, an dem ich zurück fliege – später erfahre ich, dass sie von der Polizei gestoppt und aus dem Viertel eskortiert wurden, dies wäre kein Ort für Touristen. 

Ich kann nur festhalten, dass ich das Viertel und seine Bewohner sehr ins Herz geschlossen habe und mich zu keiner Zeit unsicher oder gar bedroht gefüllt habe. Im Gegenteil, ich war sehr froh, einen so schönen Kontrast zu dem museumsartigen Zentrum zu haben. 

Islas Galápagos

Es geht auf die Galapagosinseln. Stefan, mein bester Freund aus Schulzeiten heiratet dort und ich darf Trauzeugin sein. Nachdem ich festgestellt habe, dass die Anreise – obwohl ich mit Kolumbien ja quasi ums Eck bin – doch recht aufwändig wird, dehne ich den Aufenthalt dort etwas aus. 

Der Hinweg dauert für mich – inklusive superkurzer Nacht in Bogota – ca. 20h, auf dem Rückweg bin ich minimal schneller. Dennoch, um zweimal Umsteigen pro Strecke komme ich nicht drum herum. 

Ich bleibe zunächst einige Tage auf Santa Cruz, bevor es dann für die Hochzeit nach Isabella weitergeht. Um es kurz zu machen: Ja, die Galapagosinseln sind tatsächlich so großartig, wie alle immer sagen. Die Tier- und Pflanzenwelt ist großartig und da Schildkröten meine Lieblingstiere sind, bin ich hier ohnehin im Paradies.

Die kleineren Inseln kann man nur mit geführten Touren besuchen, weswegen ich mich an einigen Tagen solchen anschließe, um die nistenden Blaufußtöpel zu beobachten oder mit Schildkröten, Pinguinen und Haien schnorcheln zu gehen. Besonders faszinieren mich auch die Leguane – Wasser- sowie Landleguane – die wie kleine Dinosaurier wirken. Abends am Kai kann man dann junge Haie, Robben und Pelikane bei der Jagd auf Fischschwärme beobachten. Und einmal kommt sogar eine Meeresschildkröte vorbei, um gemütlich dort zu fressen. 

Toll sind auch die Fregattvögel, bei denen das Männchen das Nest vorbereitet und sich dann mit dem dick aufgeblasenem roten Kehlbeutel in den Baum setzt, um die Weibchen zu beeindrucken, die sich das Männchen nach Größe und Farbe des Kehlsäckchens aussuchen. 

Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs, also beschließe ich auf Isabella, mir das noch einmal genauer anzusehen und wandere zum Krater des Vulkan Sierra Negra, der vor nicht allzu langer Zeit (Juni 2018) das letzte Mal ausgebrochen ist. Die Caldera – also der Krater – ist mit 7*10,5 km Größe einer der größten weltweit und an dem Tag der Wanderung habe ich das große Glück, den Krater wolkenfrei bestaunen zu können.  

Die Hochzeit von Stefan und Gabby war zu der ganzen Natur dann ein kleines Kontrastprogramm. Mein Kleid – alle Brautjungfern und ich als Bräutigamjungfer sollten nach Wunsch der Braut das gleiche Kleid tragen – musste noch einmal angepasst werden, weswegen ich den Vormittag des Hochzeitstages in dem kleinen Haus der einzigen Schneiderin der Ortes verbrachte, um das Kleid immer wieder an- und auszuziehen und den Nachmittag, sowie fast alle Frauen, in der Maske. Die Location hätte kaum schöner sein können, am Strand unter Palmen mit anschließender Fotosession im Abendlicht und Cocktails bis in die Nacht. Ein sehr besonderer Tag und ich bin sehr glücklich, dass ich dabei sein konnte.

Auch wenn eine Anreise aus Deutschland sicher nicht leichter wird, hoffe ich sehr, dass ich nicht das letzte Mal auf den Inseln war. Vielleicht irgendwann noch einmal, spätestens kurz vor oder nach der Rente, sowie ein Großteil der Besucher hier.  

Cartagena de Indias: Ankunft

Für die Woche, die Timur noch mit in Cartagena ist, haben wir uns ein kleines Apartment in Getsemani gemietet. Getsemani und das Zentrum Cartagenas sind sehr hübsch, aber leider auch sehr touristisch. Restaurants reihen sich an Hotels, Bars und Shops für Mitbringsel oder hochpreisige Mode. Wir sind abwechselnd von der Bilderbuch-Schönheit überrascht, wie auch davon genervt, dass man gefühlt keine 50m weit kommt, ohne angesprochen zu werden. Ein modernes Walt Disney Land. 

Das Zentrum ist von einer großen, alten Stadtmauer umgeben, es fällt leicht, sich hier vorzustellen, wie Cartagena zu Kolonialzeiten ausgesehen haben muss. Cartagena war durch die Lage am Meer einer der größten Sklavenmärkte und Ort der Inquisition, beides gehört sicher zum dunkelsten Teil der Stadtgeschichte. 

Wir besuchen die Festung und das Kloster, welches auf dem einzigen Berg der Stadt thront, ebenso wie den großen Markt in Bazurto, wo wir auch gleich zu Mittag essen. 

Und dann heißt es leider auch schon wieder Abschied nehmen: Timur muss zurück nach Berlin und ich werde die kommenden drei Monate für das Casa Cultural Colombo Alemana die Aktivitäten zum Humboldtjahr vorbereiten.   

Coveñas

Es geht an die Küste – endlich! Nach einer eher ungemütlichen Nachtfahrt kommen wir am nächsten Morgen an. Wir sind in einem kleinen Hostal am Strand, zwischen Coveñas und Tolú. Die Kommunikation mit dem Busfahrer klappt leider nicht ganz so gut, weswegen wir später aussteigen, als geplant, was uns direkt einen Strandspaziergang mit all unserem Gepäck beschert. Um nicht einmal 10 Uhr morgens ist es allerdings schon so warm, dass wir das nur bedingt genießen können. 

Den Strand hat man hier fast für sich alleine, auch wenn um uns herum nur kleine Hotels sind, sieht man kaum Leute. Ab und zu patrouillieren Soldaten am Strand oder es kommt jemand vorbei, der Hüte, Sonnenbrillen, Obst oder ähnliches verkaufen möchte. Wir verbringen viel Zeit im Wasser, in den Hängematten im Schatten und lassen es ganz gemütlich angehen.

Am zweiten Tag machen wir in der nahegelegenen Lagune eine kleine Bootsfahrt durch die Mangrovenwälder, die mit den stelzbeinigen Bäumen und den vielen Krebsen, die dort emporklettern, wirklich verwunschen aussieht. Nach einem kleinen Stop in einem Shelter in dem es Schildkröten und Krokodile zu sehen gibt, ist die Tour auch schon wieder vorbei. Am letzten Abend entdecken wir dann auch noch die Cocktailstände, die am Strand ca. 15 Minuten Spaziergang von unserem Hostal entfernt liegen. 

Medellín

Endlich angekommen, begrüßt uns Medellín mit einem Gottesdienst im Busbahnhof und einem kräftigen Regenschauer. Als dieser etwas nachlässt suchen wir uns noch ein Restaurant, in dem es Bandeja Paisa gibt, das traditionelle Essen des kolumbianischen Inlandes. Es besteht aus Reis, Bohnen, frittierter Kochbanane, Avocado und diversen Sorten Fleisch, meist Hack, Chorizo und Schweinebauch sowie einem Spiegelei. Am nächsten Tag erkunden wir den botanischen Garten der leider nicht ganz so beeindruckend ist und erkunden verschiedene Plätze im Zentrum. Außerdem besuchen wir das wirklich bemerkenswerte Casa de la Memoria, welches an den bewaffneten Konflikt Kolumbiens erinnert, der erst seit 2016 mit dem Friedensvertrag zwischen FARC und Regierung abgeklungen ist. Dennoch ist dieses Thema in Kolumbien sehr präsent und da viele Hintergründe noch immer ungeklärt sind und keine der Gruppen für sich in Anspruch nehmen kann, frei von Schuld zu sein, zieht sich auch das Casa de la Memoria auf die sichere Seite zurück und erzählt hauptsächlich Geschichten von Einzelpersonen. Es fällt uns schwer, die Tragweite des Konfliktes zu begreifen. Noch 2015 war Kolumbien nach Syrien das Land mit den meisten Binnenflüchtlingen weltweit. 

Am Tag darauf machen wir eine Graffiti Tour in der Comune 13, einem Barrio in Medellín welches eine traurige Geschichte hat und in den vergangenen Jahren durch gezielte Stadtentwicklung etwas ruhiger und mit den zahlreichen Graffitis mittlerweile sogar zu einer Touristenattraktion geworden ist. Bei der Entwicklung des Viertels war entscheidend, dass eng mit der Community vor Ort zusammengarbeitet wurde, die Bedürfnisse erfragt wurden und in einem Beteiligungsverfahren eine Art Gemeindezentrum entwickelt wurde. Außerdem gibt es verschiedene Rolltreppen, die den Zugang zu den höher gelegenen Straßen erleichtern. Den Rest des Tages verbringen wir durch die Stadt mäandernd. Am Abend gibt es dann hervorragende Pizza, die so gut ist, dass wir dem Restaurant am darauffolgendem Abend gleich noch einmal einen Besuch abstatten. 

Am letzten Tag in Medellín fahren wir mit der Seilbahn hoch zu einem nahegelegenen Park, in dem wir eigentlich etwas Wandern wollen. Was wir jedoch nicht wussten – die meisten Wege sind geschlossen und dürfen ausschließlich mit einem Guide besucht werden. Das erscheint uns dann aber auch nicht so reizvoll, so erkunden wir – soweit möglich – den Park auf eigene Faust. Abends geht es dann mit dem Nachtbus hoch zur Küste, nach Coveñas, wo wir noch einige Nächte haben, bevor es dann schlussendlich nach Cartagena geht.      

Salento

Nach einer langen Busfahrt kommen wir in Armenia an, von wo aus wir noch einmal einen Van nach Salento nehmen müssen. Es ist kurz vor Ostern und damit auch Hauptreisezeit in Kolumbien. Als wir im Dunkeln in Salento ankommen, sind die Straßen und der Hauptplatz voller Menschen. Wir haben jedoch eine Unterkunft etwas außerhalb, weswegen wir uns erst einmal in Taxi organisieren müssen. Und nun kommt der eigentlich herausforderndste Teil der Reise: an der Pforte zu unserer Unterkunft angekommen müssen wir über einen kleinen Trampelpfad mit Kopflampe und Handylicht und all unserem Gepäck noch ca. 20 Minuten bergab durch den Wald. 

Endlich bei der Ecolodge von Carlos angekommen, beziehen wir unseren kleine geodätische Kuppel, in dem wir die kommenden 3 Nächte verbringen werden. Carlos hat den Ausbau vor einigen Jahren begonnen und plant für die kommenden Jahr noch großes – dabei achtet er aber streng auf natürlich Baumaterialien und forstete den Wald rund um die kleinen Häuser auf, Strom wird natürlich gewonnen (aus dem normalen Stromnetz – in Kolumbien zu 80% Wasserkraft) und das Wasser wieder aufbereitet.

Wir verabreden und mit Carlos für den nächsten Morgen für eine Tour über sein großes Grundstück, bei dem er uns viel über die Pflanzen und die Prinzipien der Wiederaufforstung erzählt. Danach wandern wir nach Salento, ein schöner Weg, der den Blick auf die grünen Hügel der Umgebung frei gibt. Dort gibt es Mittag und anschließend schlittern wir einen ultimativ matschigen Weg bergab, um uns auf die Suche nach Waserfällen zu machen, die Carlos uns beschrieben hatte. Die Wasserfälle finden wir zwar nicht, aber es ist trotzdem sehr schön und nur die aufziehenden tiefdunklen Regenwolken bewegen uns dazu, umzukehren und wieder den Heimweg anzutreten. 

Am nächsten Tag fahren wir zwei oder drei Täler weiter ins Valle del Cocora, um dort die Wachspalmen zu bestaunen, die auch Nationalbaum Kolumbiens sind. Das Tal sieht bizarr aus – auf den Wiesen weiden Rinder, weiter oben am Hang finden sich dann die Wachspalmen und teilweise auch noch sehr lichter Wald. Die Geschichte dazu ist eigentlich eine traurige, denn früher war das Tal gänzlich bewaldet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein Großteil des Waldes abgeholzt, nur mit dem Holz der Wachspalmen, die bis zu 60 Meter hoch werden, konnte man nichts anfangen, weswegen man sie stehen ließ. Wenn diese sterben, werden keine nachwachsen – sie brauchen den Dschungel. Der Weg ist schmal und eingezäunt und es gibt viele Wanderer, was das Gehen etwas unbequem macht. Ohne zu wissen, was genau das eigentlich ist, beschließen wir zu einem ausgeschilderten Ort bergauf zu wandern, alle anderen Wege sind aufgrund der Regenzeit geschlossen und so auch der Rundweg, den wir eigentlich geplant hatten. Der Weg führt etwa 6-7 mal über einen Fluss und geht dann gut bergauf. Oben angekommen beobachten wir die vielen Kolibris, für die extra Tränken aufgehängt wurden. Nach einem Heißgetränk (ja, es ist wirklich etwas frisch), geht es wieder runter und zurück in den Ort. 

Carlos reserviert uns Plätze für den Bus nach Medellín, unsere nächste Station. Leider haben wir zwischendurch eine Panne und müssen an einer Raststätte einige Stunden warten, bis uns ein anderer Bus mitnehmen kann.

Bogotá

Mitte April geht es nach Bogotá – die Zeit in Bolivien ist zu Ende – die letzten Monate in Kolumbien beginnen. Bevor es zum Arbeiten nach Cartagena geht, bleiben noch zwei Wochen zum Reisen. 

Ich fliege von La Paz über Lima nach Bogotá, Timur kommt aus Berlin. Ankunft in Bogotá ist für die Verhältnisse der Anreise quasi fast zeitgleich – 3 Stunden zeitversetzt. 

Wir lassen Bogotá langsam angehen, trinken in fancy Cafés leckeren Kaffee, zeigen uns von der Architektur beeindruckt, gehen gut essen, erklimmen den Berg Monserrate und lassen uns im Goldmuseum von der riesigen Ausstellung erschlagen. Im Boteromuseum lassen wir uns von Botero erschlagen – Kolumbiens bekanntester Maler und Bildhauer mit enormen Output an dicklichen Menschen, Tieren und Objekten.

Auf dem Monserrate steht oben eine Kirche, weswegen der Weg hoch eine beliebte Pilgerstrecke ist. Oben kann man den mit Statuen nachgestellten Leidensweg Jesu besichtigen, eine beliebte Fotokulisse um davor grinsend Familienfotos zu machen. 

Nach zweieinhalb Tagen geht es schon weiter nach Saltero, ins Kaffeetal Kolumbiens.