Insgesamt haben wir in La Paz noch nicht viel leckeres (bolivanisches) Essen gefunden, aber Anticuchos sind eine Ausnahme. Es sind gegrillte Scheiben vom Rinderherz, scharf gewürtzt. Eine Straßenecke weiter gibt es wirklich gute, in der Regel warten viele Leute auf ihre Portion, die gesamte Straße ist ein Drive-In. Das erste Mal haben wir sie Dank Alejandro in Arequipa probiert. Hier ist die Zubereitung auf der Straße um einiges spektakulärer; ständig wird Öl ins Feuer gegossen.
Month: January 2019
La Paz
Wir sind in La Paz angekommen. Seit zwei Wochen sind wir jetzt hier. Wir haben uns umgeschaut, gearbeitet, für ein Viertel entschieden – Sopocachi – und dort eine Wohnung für die kommenden Wochen gefunden.
La Paz liegt in einem Tal, in dem jede freie Stelle mit Häusern bebaut ist. Je weiter südlich und je tiefer, desto wohlhabender. Ganz oben, jenseits der Kante zum Übergang zur Hochebene, des Altiplanos, liegt El Alto: die größere und ärmere Zwillingsstadt von La Paz. Unser Stadtteil Sopocachi ist geprägt von Hochhäusern zwischen fünfzehn und zwanzig Stockwerken mit alten Villen in denen Botschaften sitzen dazwischen. Es gibt Bars und Restaurants für die gehobene Mittelklasse, in die wir uns hier einfügen. Viele der neuen Gebäude sind mit modernen Interpretationen von Skulpturen der präkolumbianischen Zeit verziert. Es gibt mehr Streetart als in Peru und jedes öffentliche Bauprojekt (z.B. die neuen Seilbahnen) ist mit Postern von Evo Morales dekoriert.
Wiebke pendelt mit der Seilbahn, der Teleférico, täglich zur Arbeit nach Obrajes, ein gediegeneres Viertel mit noch mehr Botschaften weiter im Süden. Timur bleibt daheim und arbeitet aus unserem Apartment im zwölften Stock für Berlin.
Auf dem folgenden Bild hat man eine gute Übersicht über La Paz, es ist aus dem Süden aufgenommen. Ganz vorn im Süden liegt die Zona Sur, mit mehr kleinen als großen Häusern. Relativ in der Mitte liegt eine große Straße die leicht diagonal nach links geht: die Avenida Hernando Siles in Obrajes, dort liegt die Friedrich-Ebert-Stiftung, bei der Wiebke arbeitet. Oben links davon sind zwei Ansammlungen von Hochhäusern. Rechts Miraflores und links Sopocachi, wo wir wohnen. Das rote Meer dahinter sind unverputzte Backsteinhäuser und an der Kante links geht La Paz über in El Alto.
Lago Titicaca
Mit ein wenig Verzögerung – aber jetzt endlich – der Blogeintrag zu unserer letzten Station in Peru. Von Cusco aus fahren wir mit dem Bus nach Puno. Dieses Mal haben wir uns nicht für einen normalen Bus entschieden, sondern für eine Tour, bei der man auf dem Weg auch noch anhält, um ein Museum, eine Kirche und eine Ausgrabungsstätte zu besuchen und natürlich Mittag zu essen. Das lockert die Fahrt auch auf, aber wir stellen wieder fest, dass wir keine großen Fans von größeren Touristengruppen sind. Als wir in am frühen Abend endlich in Puno ankommen, regnet es stark. Zum Glück hört es wenig später auf und wir können das Hotel doch noch Richtung Zentrum verlassen, um uns etwas zum Abendessen zu suchen.
Am nächsten Tag sind wir mit Ruben verabredet. Ruben gehört zu der Volksgruppe der Uros, die auf schwimmenden Schilfinseln im Titikakasee leben. Wir haben ihn über Airbnb gefunden und wollen eine Nacht auf seiner Insel verbringen. Er holt uns mit dem Boot von einem kleineren Hafen etwas außerhalb von Puno ab. Die schwimmenden Inseln und die großen Schilfboote (die eigentlich nur für die Touristen gebaut werden) sehen sehr pittoresk aus und wir genießen die Bootsfahrt. Auf der Insel angekommen, lernen wir gleich seine Frau und seine beiden jungen Töchter kennen, sowie das Nachbarskind, die uns später auch noch in ihre Spiele einbeziehen. Sein Papa, Silverio, der gleich nebenan wohnt, nimmt uns wenig später mit dem Boot mit und gibt uns eine kleine Dorftour. Wir sehen die anderen Inseln, die Kirche und immer wieder diese lustigen Boote. Er erklärt uns, dass viele der Uros mittlerweile auf dem Festland leben und nur tagsüber auf den Inseln sind, um dort Restaurants für Touristen oder kleine Läden zu betreiben. Das Touristenbusiness ist im übrigen gut organisiert, das Dorf hat sich die Touristen aufgeteilt, an bestimmten Tagen werden die Inseln links, an den anderen Tagen die Inseln rechts des Dorfes angefahren. Silverio zeigt uns zudem, dass man das „Schilfrohr“, welches auch zum Bau der Inseln und Häuser verwendet wird, essen kann und wir ernten ein wenig davon. Dann gibt es Mittagessen, natürlich Fisch aus dem See. Dass dieser stark verschmutzt ist und in den vergangenen Jahren mit einem starken Rückgang des Wassers zu kämpfen hat, hatten wir bereits gelesen. Zumindest der Rückgang des Wasser ist auch Thema in den Gesprächen mit Silverio und Ruben.
Durch ein Förderprojekt des Landes werden die Uros momentan mit Toiletten- und Badezimmer-Einheiten versorgt. Diese können das Wasser aufbereiten und bieten so fließend Wasser für die Bewohner. Nicht unwichtig, auch wenn man auf einer Insel wohnt.
Am Abend nimmt uns Silverio wieder auf dem Boot mit, er legt jeden Abend ein Netz aus und wir dürfen assistieren. Das Netz wird dann sehr früh am nächsten Morgen wieder eingeholt. Meistens sind nicht viele Fische drin, aber einige Karachi (etwas größere Fische) und wenige Ispi (kleinere Fische) sind trotzdem ins Netz gegangen. Die Karachi werden uns direkt danach zum Frühstück aufgetischt. Dann wollen wir weiter nach Amantani, eine der zwei größeren Inseln (also jetzt, echte Inseln). Die Weiterfahrt gestaltet sich etwas schwierig, das Wassertaxi kommt leider nicht und so sucht Silverio uns eine Touristengruppe, die gerade Stop auf den Uroinseln macht und danach nach Amantani weiterfährt. Dort haben wir uns schon eine Unterkunft gesucht, diese müssen wir aber noch stark mit dem Kapitän verhandeln. Denn der Tourismus auf den Inseln ist gemeinschaftliche organisiert, Hotels gibt es keine und die Kapitäne haben bestimmte Familien mit denen sie zusammenarbeiten und so ist mit dem Boot, mit dem man kommt, auch schon das Dorf und die Familie festgelegt, in welcher man übernachtet.
Nachdem unser Kapitän unabgesprochen einen Hafen später anfährt, muss unsere Gastgeberin noch schnell an der Küste entlangsprinten, um uns einzusammeln. Mit unserem ganzen Gepäck geht es danach bergauf in die Unterkunft. Wir bekommen ein hervorragendes Mittagessen und wandern dann einen der beiden Berge (ein Berg für Pachamama – Mutter Erde und ein Berg für Pachatata – Vater Erde, beide über 4000m) hinauf, auf dem eine Art Tempel steht. Gegenüber liegt der zweite Berg, der etwas niedriger ist und auch eine Tempelanlage beherbergt, beide Tempelanlagen gehen auf die Inka- und Tiwanakukultur zurück. Einmal im Jahr gibt es ein Fest, bei dem die Bewohner der Insel in zwei Gruppen aufgeteilt werden und eine Art Wettlauf zwischen den Tempelanlagen stattfindet. Generell sind die Inseln wunderschön. Es gibt keinerlei Autoverkehr und ein Großteil der Insel wird landschaftlich genutzt und ist daher mit Terassenfeldern übersäht. Wir unternehmen eine sehr schöne Wanderung und erreichen die Bergspitze von Pachamama, bevor die übrigen Touristen ankommen. Bevor es dunkel wird, sind wir gerade wieder zurück und bekommen Abendessen. Am kommenden Morgen sind wir wieder mit dem selben Kapitän und Boot verabredet, denn die Gruppe fährt ebenfalls weiter nach Tamile, die zweite Insel. In Tamile müssen wir mit dem ganzen Gepäck auch wieder erst einmal bergauf, um zu dem zentralen Platz der Insel zu kommen. Auch hier ist der Tourismus gemeinschaftlich organisiert, wir haben Glück und können bei dem jungen Mann übernachten, bei dem die Gruppe auch Mittag isst. Am Nachmittag verabschieden wir uns von der Gruppe, die wieder nach Puno fährt und wandern zur Südspitze der Insel, wo es Strand gibt. Zum baden ist es natürlich zu kalt, aber die Landschaft ist beeindruckend und nach und nach legen die Tourenboote ab und es wird ruhiger auf der Insel. Besonders beeindruckend sind die Trachten, die hier alle Bewohner ganz selbstverständlich tragen. Handarbeit ist hier übrigens meist in Männerhand und die „strickenden Männer“ von Tamile gehören zum immateriellen Weltkulturerbe. Am nächsten Tag schwächeln wir etwas, es wird also viel gelesen. Am kommenden Tag suchen wir uns dann ein Boot zurück nach Puno.
In Puno haben wir noch zwei Nächte, bevor wir mit dem Bus nach La Paz fahren und dabei quasi problemlos in Bolivien einreisen. Es gibt an der Grenze noch etwas Verwirrung wegen meines Arbeitsvisums und wir müssen unsere Bananen und die Mango abgeben (man darf nichts frisches einführen), aber ansonsten läuft alles reibungslos.
Machu Picchu
Wir haben ein wenig hin und her überlegt: Wollen wir nach Machu Picchu oder erkunden wir lieber weniger bekannte Inkastätten? Als wir uns am Ende für Machu Picchu entscheiden, ist bereits Mitte Dezember. Aber das Glück ist auf unserer Seite: erst zwei Tage später wird der Vorverkauf für 2019 geöffnet, andernfalls hätten wir vermutlich gar keine Tickets mehr bekommen.
Die Tickets wollen wir online kaufen. Nachdem der Server des peruanischen Kulturministeriums erst anderthalb Tage ganz ausgefallen ist, können wir mit viel Geduld schließlich Tickets buchen, nur um dann im entscheidenden Schritt – der Bezahlung – eine Fehlermeldung zu erhalten. Nun fängt das Chaos erst richtig an: wir schreiben Mails an die angegeben Adresse, nachdem Anrufe nicht durchkommen und bekommen lediglich eine wenig hilfreiche Antwort zurück. Am Abend kommt dann eine Mail, die zwar etwas aussagekräftiger ist, aber leider an über 300 Adressen in CC (Ausrufezeichen) verschickt wurde, sodass mein Mailfach die kommenden Tage mit verzweifelten, teils auch wütenden Mails anderer potentieller Machu Picchu Besucher überquillt. Wir müssen den Bezahlvorgang erneut vornehmen und darauf vertrauen, dass der als bereits vorgemerkte Betrag vom ersten Versuch nicht abgebucht wird. Long story short – klappt auch.
Auf den Tickets steht: 2. Januar 2019, 6.00 Uhr Morgens, Machu Picchu und Montaña Huayna Picchu. Zum Zeitpunkt der Buchung war uns leider noch nicht klar, dass wir dafür um sechs Uhr morgens am 1. Januar in Cusco würden aufbrechen müssen. Nach Agua Calientes (der Ort, in dem alle Machu Picchu Besucher übernachten) kommt man nämlich nur zu Fuß (dauert mehrere Tage), mit dem Zug (recht teuer und wegen Baustellen nur die Hälfte der Strecke) oder nach acht Stunden Fahrt mit dem Minibus und drei Stunden Fußmarsch entlang der Eisenbahnschienen. Wir entscheiden uns für die letztere Variante.
Nach ca. fünf Stunden Serpentinen im Minibus gibt es eine Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten: Eine Brücke ist eingestürzt und es hat sich ein lange Schlange zum Durchfahren des Flusses gebildet, da ab und zu ein Auto im Fluss stecken bleibt und dann rausgezogen werden muss. Wir müssen alle aussteigen und eine provisorische Fußgängerbrücke benutzen, damit der Bus an der entscheidenden Stelle ein bisschen leichter ist.
Als wir am späten Nachmittag ankommen, bleiben noch die drei Stunden Fußmarsch entlang der Schiene. Die Schiene, auf der auch der Zug fährt, den wir hätten nehmen können. Die Landschaft ist schon jetzt sehr schön. Einige Züge überholen uns. Sie tuten viel, ein mal muss er sogar anhalten, um einen Touristen, der gerade ein Selfie mit dem Zug machen möchte, nicht zu überfahren. Der Zugführer steigt extra aus, um ihn noch ein bisschen klein zu machen. Uns schließen sich zwei Wanderkumpanen an, ein Franzose und ein Amerikaner.
Agua Calientes selbst ist nicht sonderlich spannend, es gibt nur einen Grund, sich dort aufzuhalten. Am Morgen des 2. Januars – langsam üben wir uns in dem frühen Aufstehen – reihen wir uns in eine bereits beachtlich lange Schlange ein. Um Punkt 5.30 Uhr fährt der erste Bus vor, danach geht es im Minutentakt weiter. Wir finden uns im 4. oder 5. Bus wieder. Dieser schlängelt sich zahlreiche Serpentinen den Berg hinauf. Als wir oben ankommen, hängen die Wolken noch tief über den Bergen und bieten nur ab und zu den Blick auf die Ruinen von Machu Picchu. Die Atmosphäre ist alleine schon dadurch besonders, auch wenn wir uns nun in der vermutlich größten Touristenansammlung seit Abreise wiederfinden.
Zunächst jedoch lassen wir dir Ruinen links liegen und gehen Richtung Huayna Picchu, das ist der etwas spitze Berg, der auf eigentlich allen Fotos von Machu Picchu zu sehen ist. Kurz nach sieben Uhr passieren wir das gesonderte Eingangsgate und machen uns mit 198 weiteren Personen an den Aufstieg.
Wir scheinen noch recht gut trainiert zu sein, jedenfalls sind wir unter den ersten, die die Ruinen auf dem Gipfel erreichen – mittlerweile haben sich auch die Wolken weitestgehend verzogen und wir haben eine guten Blick auf die alte Ruinenstadt. Wieder unten angekommen, suchen wir uns einen Guide – in diesem Fall Jessica, die später erzählt, dass es einer ihrer letzten Tage dort ist, weil sie mit ihrem Verlobten eine eigene Touristenagentur gründen wird. Zwischen den Ruinen hat es sich mittlerweile gut gefüllt, die beliebtesten Fotoperspektiven werden vielfach aufgenommen und auch wir dürfen den Fotoanweisungen von Jessica folgen: von Vorn, von Hinten, und ein Mal den Berg umklammern bitte! Aber beeindruckend ist es allemal, besonders, da viele Aspekte der Inkakultur bis heute nicht eindeutig erklärt werden können und so sind vielen Dinge reine Spekulation. Die Führung und Hintergrundinfos von Jessica bieten aber eine grobe Orientierung und mit ihrer Hilfe können wir auch in unscheinbar aussehenden Steinen plötzlich etwas besonderes entdecken – wie fein die Steine fugenlos zusammengefügt sind, das Bad des Inka oder speziell geformte Steine, die als Sonnenwarten dienten.
Bei uns drängt die Zeit leider etwas, wir müssen noch 3 Stunden entlang der Bahnschienen zurück, um zu dem Minibus zu gelangen, der uns nach Cusco bringt.




















































































