Wir haben ein wenig hin und her überlegt: Wollen wir nach Machu Picchu oder erkunden wir lieber weniger bekannte Inkastätten? Als wir uns am Ende für Machu Picchu entscheiden, ist bereits Mitte Dezember. Aber das Glück ist auf unserer Seite: erst zwei Tage später wird der Vorverkauf für 2019 geöffnet, andernfalls hätten wir vermutlich gar keine Tickets mehr bekommen.
Die Tickets wollen wir online kaufen. Nachdem der Server des peruanischen Kulturministeriums erst anderthalb Tage ganz ausgefallen ist, können wir mit viel Geduld schließlich Tickets buchen, nur um dann im entscheidenden Schritt – der Bezahlung – eine Fehlermeldung zu erhalten. Nun fängt das Chaos erst richtig an: wir schreiben Mails an die angegeben Adresse, nachdem Anrufe nicht durchkommen und bekommen lediglich eine wenig hilfreiche Antwort zurück. Am Abend kommt dann eine Mail, die zwar etwas aussagekräftiger ist, aber leider an über 300 Adressen in CC (Ausrufezeichen) verschickt wurde, sodass mein Mailfach die kommenden Tage mit verzweifelten, teils auch wütenden Mails anderer potentieller Machu Picchu Besucher überquillt. Wir müssen den Bezahlvorgang erneut vornehmen und darauf vertrauen, dass der als bereits vorgemerkte Betrag vom ersten Versuch nicht abgebucht wird. Long story short – klappt auch.
Auf den Tickets steht: 2. Januar 2019, 6.00 Uhr Morgens, Machu Picchu und Montaña Huayna Picchu. Zum Zeitpunkt der Buchung war uns leider noch nicht klar, dass wir dafür um sechs Uhr morgens am 1. Januar in Cusco würden aufbrechen müssen. Nach Agua Calientes (der Ort, in dem alle Machu Picchu Besucher übernachten) kommt man nämlich nur zu Fuß (dauert mehrere Tage), mit dem Zug (recht teuer und wegen Baustellen nur die Hälfte der Strecke) oder nach acht Stunden Fahrt mit dem Minibus und drei Stunden Fußmarsch entlang der Eisenbahnschienen. Wir entscheiden uns für die letztere Variante.
Nach ca. fünf Stunden Serpentinen im Minibus gibt es eine Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten: Eine Brücke ist eingestürzt und es hat sich ein lange Schlange zum Durchfahren des Flusses gebildet, da ab und zu ein Auto im Fluss stecken bleibt und dann rausgezogen werden muss. Wir müssen alle aussteigen und eine provisorische Fußgängerbrücke benutzen, damit der Bus an der entscheidenden Stelle ein bisschen leichter ist.
Als wir am späten Nachmittag ankommen, bleiben noch die drei Stunden Fußmarsch entlang der Schiene. Die Schiene, auf der auch der Zug fährt, den wir hätten nehmen können. Die Landschaft ist schon jetzt sehr schön. Einige Züge überholen uns. Sie tuten viel, ein mal muss er sogar anhalten, um einen Touristen, der gerade ein Selfie mit dem Zug machen möchte, nicht zu überfahren. Der Zugführer steigt extra aus, um ihn noch ein bisschen klein zu machen. Uns schließen sich zwei Wanderkumpanen an, ein Franzose und ein Amerikaner.
Agua Calientes selbst ist nicht sonderlich spannend, es gibt nur einen Grund, sich dort aufzuhalten. Am Morgen des 2. Januars – langsam üben wir uns in dem frühen Aufstehen – reihen wir uns in eine bereits beachtlich lange Schlange ein. Um Punkt 5.30 Uhr fährt der erste Bus vor, danach geht es im Minutentakt weiter. Wir finden uns im 4. oder 5. Bus wieder. Dieser schlängelt sich zahlreiche Serpentinen den Berg hinauf. Als wir oben ankommen, hängen die Wolken noch tief über den Bergen und bieten nur ab und zu den Blick auf die Ruinen von Machu Picchu. Die Atmosphäre ist alleine schon dadurch besonders, auch wenn wir uns nun in der vermutlich größten Touristenansammlung seit Abreise wiederfinden.
Zunächst jedoch lassen wir dir Ruinen links liegen und gehen Richtung Huayna Picchu, das ist der etwas spitze Berg, der auf eigentlich allen Fotos von Machu Picchu zu sehen ist. Kurz nach sieben Uhr passieren wir das gesonderte Eingangsgate und machen uns mit 198 weiteren Personen an den Aufstieg.
Wir scheinen noch recht gut trainiert zu sein, jedenfalls sind wir unter den ersten, die die Ruinen auf dem Gipfel erreichen – mittlerweile haben sich auch die Wolken weitestgehend verzogen und wir haben eine guten Blick auf die alte Ruinenstadt. Wieder unten angekommen, suchen wir uns einen Guide – in diesem Fall Jessica, die später erzählt, dass es einer ihrer letzten Tage dort ist, weil sie mit ihrem Verlobten eine eigene Touristenagentur gründen wird. Zwischen den Ruinen hat es sich mittlerweile gut gefüllt, die beliebtesten Fotoperspektiven werden vielfach aufgenommen und auch wir dürfen den Fotoanweisungen von Jessica folgen: von Vorn, von Hinten, und ein Mal den Berg umklammern bitte! Aber beeindruckend ist es allemal, besonders, da viele Aspekte der Inkakultur bis heute nicht eindeutig erklärt werden können und so sind vielen Dinge reine Spekulation. Die Führung und Hintergrundinfos von Jessica bieten aber eine grobe Orientierung und mit ihrer Hilfe können wir auch in unscheinbar aussehenden Steinen plötzlich etwas besonderes entdecken – wie fein die Steine fugenlos zusammengefügt sind, das Bad des Inka oder speziell geformte Steine, die als Sonnenwarten dienten.
Bei uns drängt die Zeit leider etwas, wir müssen noch 3 Stunden entlang der Bahnschienen zurück, um zu dem Minibus zu gelangen, der uns nach Cusco bringt.


































