Eigentlich soll es am ersten Morgen gleich um 6 Uhr los zu einer kleinen Lagune gehen, aber das Wellblechdach verrät, dass es ausgiebig regnet und so können wir etwas länger liegen bleiben. Als der Regen nach dem Frühstück etwas nachlässt, geht es endlich los. Darwin rüstet uns mit Gummistiefeln aus, wir werden sie brauchen. Nach einem kleinen Fußmarsch kommen wir bei der Lagune an, mit einem Balsafloß schippert uns Darwin auf die andere Seite, wo wir eine kleine Runde drehen. Es ist schwül-warm und die Geräuschkulisse kann sich hören lassen. Besonders die Hoatzin können wir beobachten, große Vögel, die in mehrerlei Hinsicht sehr besonders sind. Seine Verwandtschaft zu anderen Vögeln ist gänzlich ungeklärt, weswegen sie meistens einer eigenen Ordnung zugeordnet werden. Die Jungtiere haben Krallen an den Flügeln, um wieder ins Nest zu gelangen, falls sie dort einmal herausfallen. Das Verdauungssystem der Vögel erinnert an Wiederkäuer, was dazu führt, dass sie nicht sonderlich gut riechen und auch Stinkvogel genannt werden.
Später am Tag geht es mit dem Geländewagen weiter (wichtig, da es einige Flüsse zu durchqueren gilt), bis nach Shintuya wo wir Omar wieder treffen und Jochen einsammeln. Jochen gehört zur Volksgruppe der Harakmbut und wird das kleine Boot lenken, mit welchem wir flußabwärts auf dem Alto Madre de Dioszu einem kleinen Ressort fahren. Das gehört ebenfalls seinem Stamm und verfügt über eine wunderbare heiße Quelle zum ausgiebigem Baden. Hier bleiben wir die kommenden zwei Nächte und machen weitere Ausflüge in die Umgebung. Dabei muss der Tagesablauf gut geplant werden, sobald es einmal etwas länger nicht regnet, geht es entweder mit dem Boot noch tiefer in den Regenwald oder wir starten direkt von dem Camp aus und wandern zum nahegelegenem Wasserfall um auch dort ein Bad zu nehmen.
Die Wanderungen durch den Wald werden alle paar Minuten unterbrochen und Darwin erklärt uns spannende Dinge, die uns ohne ihn wohl gar nicht aufgefallen wären. Die Tier- und Pflanzenwelt ist einfach nur überwältigend, wir lernen Termiten- von Ameisenbauten zu unterscheiden (Termiten scheuen das Licht und haben deswegen geschlossene Kanäle den Baum herunter), ebenso wie verschiedensten Überlebenstrategien, die sich die Bewohner ausgesponnen haben.
So gibt es die Blattschneiderameisen, die die Blätter von teils wirklich weit weg herantragen. Die Blätter werden klein geschnitten, in speziellen Kammern aufbewahrt, wo dann Pilze auf den Blätter wachsen, von denen sich die Ameisen ernähren.
Die Azteca-Ameisen haben eine andere Strategie: sie gehen eine Symbiose mit bestimmten Bäumen ein und leben unter der Rinde des Stamms und ernähren sich von den Nährstoffen des Baumes. Im Gegenzug sorgen sie dafür, dass der Baum optimal wachsen kann, in dem sie alle Pflanzen im Umkreis abtöten. Sehr deutlich sind um die Stämme Umkreis von zwei Metern nicht einmal Sprösslinge zu sehen.
Beindruckend sind auch die Stelzenpalmen, laufenden Bäume, die ihr Wurzeln von oben nach unten wachsen lassen und je nach Bedarf – zum Beispiel bei besseren Lichtverhältnissen – ganz langsam wandern, in dem sie ihre Wurzeln immer nur in eine bestimmte Richtung ausbilden und die Wurzeln in der anderen Richtung absterben. Dieses laufen benötigt dann natürlich ein paar Jahrzehnte für ein paar Meter.
Eine weniger freundliche Überlebensstrategie hat die Strangler Fig, welche sich nach und nach um einen Baum schlingt und sich von diesem dann so lange ernährt, bis er gänzlich verschwunden ist.
Wir sehen verschiedenste Affen, einige von ihnen erwischen wir sogar dabei, wie sie sich an dem Bananenbaum vergreifen, welcher in der Nähe des Comidors (großes Gemeinschaftshaus, in dem gegessen wird) steht. So gab es dann nur am ersten Morgen Bananen zum Frühstück. Jochen verpasst uns die für die Harakmbut typischen „Tatoos“, Darwin würde sagen, dass sie so ähnlich sind, wie auch die Angehörigen des Stammes, etwas groß und eher grob. Die Tattoos basieren auf dem Saft einer Frucht funktionieren mit der selben wirkweise wie Henna-Tattoos in Indien, sie bleiben ca. eine Woche sichtbar. Am zweiten Tag gehen wir in der Nähe der alten Farm von Darwins Familie wandern und beobachten dabei unter anderem nistende Hellrote Aras. Mittlerweile steht auf dem Gelände der ehemaligen Farm von Davids Familie eine recht große Ressort-Anlage, die über Weihnachten aber komplett leer steht.
Nach zwei Nächten im Dschungel ohne jeglichen Straßenanschluss geht es mit Boot und Geländewagen wieder zurück nach Salvacion. Hier verbringen wir noch einmal 2 Nächte und nutzen tagsüber die Gelegenheit, uns im Ort umzuschauen, Bananenchips zu essen, Bier zu trinken und den Fußballspielen zu folgen. Der Ort ist Hauptstadt der Region und hat demzufolge ein ansehnliches Verwaltungsgebäude, was mitten auf der grünen Wiese steht.
Außerdem entspannen wir ein wenig in dem sehr schönen Garten von Darwin und Melba und lauschen der beeindruckenden Geräuschkulisse aus Vögeln, Fröschen und immer wieder Regenfällen mit starken Gewittern. Als Tribut an Weihnachten, welches wir hier denkbar unweihnachtlich begehen, trinken wir an einem Abend selbstgemachten Glühwein mit Darwin. Bei ohnehin kuschligen 25 Grad.
Auf dem Rückweg nach Cusco halten wir noch in einem Tiershelter. Hier landen Affen, Papageien und sonstige Tiere, die als Haustiere gehalten werden sollten, bevor die Besitzer gemerkt haben, dass sich Wildtiere eher schlecht im Haus machen. Viele sollen wieder ausgewildert werden, einige – besonders die beiden Affen – sind mittlerweile aber sehr an Menschen gewöhnt und werden wohl eher bleiben. Immerhin gibt es keine großen Zäune oder ähnliches, was sie davon abholten würde, diesen Ort zu verlassen. So traurig die Geschichten der Tiere teils auch sind – irgendwie ist es trotzdem beeindruckend, diese dann einmal aus unmittelbarer Nähe und nicht immer nur durch das Fernglas sehen zu können. Wir sehen Zweifingerfaultiere (jung und alt), einen Tapir, einen Klammeraffen, ein gehaubtes Kapuziner-Äffchen, verschiedene Aras, eine Schlange, Schildkröten und Wildschweine.






































































































































































































































