Audio: Zeltatmosphäre, Gaskocher, peruanische Volksmusik
Aus der Idee, die Cordillera Huayhuash in einer 10 Tageswanderung zu umrunden, wird leider nichts. Die Wettervorhersage ist wenig optimistisch und schweren Herzens folgen wir dem Rat Orlandos, der uns statt dessen den Santa Cruz Trek mit anschließender Wanderung zur Laguna 69 empfiehlt, insgesamt 5 Tage mit rund 80 km Strecke in der Cordillera Blanca.
Wir werden auf der Wanderung von einem Guide und einem Arriero (Eseltreiber) begleitet, der mit seinen Tieren einen Großteil des Equipments (Verpflegung, Zelte etc.) transportiert und auch für den Auf- und Abbau des Camps verantwortlich ist. Es fühlt sich etwas komisch an, mit einer so großen Karawane unterwegs zu sein, aber es ist zugegebenermaßen auch sehr praktisch.
Cesar, unseren Guide für die Wanderung, lernen wir bereits bei Abreise in Huaraz kennen. Renaldo, der uns mit zwei Eseln, einem Muli und einem Pferd begleitet, treffen wir in Cashapampa, dem Ausgangsort unserer Wanderung.
Die Strecke an Tag 1 ist mit rund 13 km nicht so lang, dafür geht es fast 1000m hoch, zu unserem ersten Camp, welches auf über 3700 Höhenmetern liegt. Tag 2 ist etwas länger, insbesondere weil wir einen kleinen Abstecher zu einem schönen See auf über 4400m Höhe machen. Nach 22km kommen wir am Nachmittag recht erschöpft im Camp an. Wie schön der Ausblick von hier ist, sehen wir aufgrund der Wolken erst am nächsten Morgen.
In die Tagesroutine finden wir uns schnell ein: um 6 Uhr wird mit einem Coca-Tee aufgestanden, dann Sachen packen, Frühstück und los. Unterwegs machen wir kleinere Pausen, Cesar hat am Abend zuvor jeweils das Mittagessen des kommenden Tages zubereitet. Gegen 16-17 Uhr kommen wir wieder im neuen Camp an, ein wenig verschnaufen, später Dreigängemenü mit Cesar und Renaldo im Gemeinschaftszelt, in dem Cesar auch kocht, was es schön warm macht. Gegen 20 Uhr sind wir meistens schon im Schlafsack verschwunden und entgehen so dem Regen, den es nahezu jeden Nachmittag bis in die Nacht hinein zuverlässig gibt. Gerne auch mal am Morgen oder über Mittag. Je nachdem – Regenzeit eben. Um so mehr schätzen wir die Momente, in denen die Sonne raus kommt.
Was unsere Karawane noch etwas größer werden lässt: ab der ersten Minute werden von einer trächtigen Hündin begleitet. Cesar und sie sind alte Bekannte, er berichtet, dass sie wie einige andere Hunde auch, sich immer wieder den verschiedenen Wandergruppen anschließt und 4 Tage in die eine Richtung und dann wieder 4 Tage zurück in die andere Richtung läuft. Sie folgt uns ständig und ist äußerst zuverlässig dabei, alle Essensreste zu beseitigen. Wir schließen sie schnell in unser Herz und nennen sie liebevoll Perrita.
Tag 3 ist besonders und wir haben vor Beginn der Wanderung den meisten Respekt vor diesem Tag, den er bedeutet direkt zu Beginn einen steilen Anstieg auf über 4700 Höhenmeter, hinauf zum Pass Punta Union, der Teil der kontinentalen Wasserscheide ist: die Flüsse auf der Bergseite, die wir hochsteigen, fließen in den Pazifik, die auf der Bergseite, die wir hinabsteigen, durch den Regenwald und diverse Länder in den Atlantik. Auf dem Weg nach unten begegnen wir erstmals größeren Gruppen, die mit noch mehr Eseln unterwegs sind, die Wanderer haben sichtbar mit der Höhe und dem Anstieg zu kämpfen. Dabei gibt es auch bei uns den ersten Verlust zu verzeichnen. Perrita entschließt sich ohne große Verabschiedung bereits jetzt umzudrehen und den anderen Gruppen zu folgen. Mehr Esel bedeutet mehr Essen für sie. Nach einem langen Abstieg kommen wir nach rund 18 km bei Hagelregen in unserem Camp an.
Tag 4 ist bereits das Ende des klassischen Santa Cruz Treks. Am Morgen – bei klarer Sicht – entdecken wir, dass unser Camp bereits in Sichtweite zu einem kleinen Dorf war. Wir steigen weiter hinab um dann auf der anderen Talseite wieder hochzusteigen. Hier verabschieden wir uns von Renaldo und seinen Tieren und warten mit Cesar und dem ganzen Equipment auf das nächste Colectivo, welches uns zu unserem nächsten Camp an einem großen See bringen soll. Das Colectivo kommt und ist bereits gut gefüllt, eine Band mit Instrumenten – inklusive Harfe – belegt einen Großteil des Transporters. Cesar guckt skeptisch, aber der Fahrer, der gleich raus springt, sich am Bauch kratzt und dann flugs aufs Dach krakelt ist sehr davon überzeugt, dass er alles mitbekommt. Bekommt er auch. Wir nehmen die letzten drei Sitzplätze ein und holpern zwei Stunden über unbefestigte Straßen. Dabei bewundern wir die Fähigkeit der Peruaner quasi überall und in jeder Körperhaltung zu schlafen. Tolle Eigenschaft.
Am See angekommen, werden die Zelte errichtet und Mittag gekocht. Wir warten den Regen ab und spazieren dann noch einmal die Straße entlang und bewundern die schönen Seen. Hier trifft man bereits die Reisebusse, die von der Tour zum Lake 69 zurück kommen. Morgen werden wir auch dorthin aufbrechen.
Der Lake 69 liegt auf über 4500 Höhenmeter, die Wanderung dorthin sind von unserem Camp rund 8 km. Der See – tatsächlich nur mit Nummer, ohne weiteren Namen – ist ein gefragtes Ausflugsziel für Tagestouristen aus Huaraz. Mit einem frühen Start von unserem Camp aus können wir dem Ansturm etwas entgehen und haben den See am frühen Morgen ganz für uns. Als wir oben ankommen, regnet es leider. Der Ausblick am See ist ohne Wolken vermutlich noch etwas spektakulärer, aber wir sind trotzdem beeindruckt. Eine kleine Ente dreht einsam ihre Runden auf dem See. Auf dem Weg bergab sehen wir nicht nur viele andere Wanderer, sondern auch den höchsten Berg Perus, den Huascarán Sur mit 6768 Metern. Nach einem letzten Mittagessen im Camp geht es zurück nach Huaraz, ca. 3 Stunden im Auto.
Am Abend treffen wir uns noch mit Cesar, Orlando, einem anderen Paar und ihrem Guide im Haus von Orlando. Es gibt sehr viel und sehr gutes Essen, dazu viel Pisco Sour, der direkt aus einem großen Mixer serviert wird.
Gerade weil die fünf Tage eine so schöne Erfahrungen waren, nehmen wir uns fest vor, irgendwann wieder zu kommen und doch noch die Umrundung der Cordillera Huayhuash zu machen.




































