Medellín

Endlich angekommen, begrüßt uns Medellín mit einem Gottesdienst im Busbahnhof und einem kräftigen Regenschauer. Als dieser etwas nachlässt suchen wir uns noch ein Restaurant, in dem es Bandeja Paisa gibt, das traditionelle Essen des kolumbianischen Inlandes. Es besteht aus Reis, Bohnen, frittierter Kochbanane, Avocado und diversen Sorten Fleisch, meist Hack, Chorizo und Schweinebauch sowie einem Spiegelei. Am nächsten Tag erkunden wir den botanischen Garten der leider nicht ganz so beeindruckend ist und erkunden verschiedene Plätze im Zentrum. Außerdem besuchen wir das wirklich bemerkenswerte Casa de la Memoria, welches an den bewaffneten Konflikt Kolumbiens erinnert, der erst seit 2016 mit dem Friedensvertrag zwischen FARC und Regierung abgeklungen ist. Dennoch ist dieses Thema in Kolumbien sehr präsent und da viele Hintergründe noch immer ungeklärt sind und keine der Gruppen für sich in Anspruch nehmen kann, frei von Schuld zu sein, zieht sich auch das Casa de la Memoria auf die sichere Seite zurück und erzählt hauptsächlich Geschichten von Einzelpersonen. Es fällt uns schwer, die Tragweite des Konfliktes zu begreifen. Noch 2015 war Kolumbien nach Syrien das Land mit den meisten Binnenflüchtlingen weltweit. 

Am Tag darauf machen wir eine Graffiti Tour in der Comune 13, einem Barrio in Medellín welches eine traurige Geschichte hat und in den vergangenen Jahren durch gezielte Stadtentwicklung etwas ruhiger und mit den zahlreichen Graffitis mittlerweile sogar zu einer Touristenattraktion geworden ist. Bei der Entwicklung des Viertels war entscheidend, dass eng mit der Community vor Ort zusammengarbeitet wurde, die Bedürfnisse erfragt wurden und in einem Beteiligungsverfahren eine Art Gemeindezentrum entwickelt wurde. Außerdem gibt es verschiedene Rolltreppen, die den Zugang zu den höher gelegenen Straßen erleichtern. Den Rest des Tages verbringen wir durch die Stadt mäandernd. Am Abend gibt es dann hervorragende Pizza, die so gut ist, dass wir dem Restaurant am darauffolgendem Abend gleich noch einmal einen Besuch abstatten. 

Am letzten Tag in Medellín fahren wir mit der Seilbahn hoch zu einem nahegelegenen Park, in dem wir eigentlich etwas Wandern wollen. Was wir jedoch nicht wussten – die meisten Wege sind geschlossen und dürfen ausschließlich mit einem Guide besucht werden. Das erscheint uns dann aber auch nicht so reizvoll, so erkunden wir – soweit möglich – den Park auf eigene Faust. Abends geht es dann mit dem Nachtbus hoch zur Küste, nach Coveñas, wo wir noch einige Nächte haben, bevor es dann schlussendlich nach Cartagena geht.