Santa Cruz de Mompós

Ohne größeren Grund nehme ich mir vor, nach Mompós zu reisen. Ich habe gehört, dass die Stadt schön sein soll, möchte noch einmal weiter ins Landesinnere und zudem ist Mompós die Endstation der geplanten Humboldt-Route. Simon Bolivar kämpfte hier gegen die Spanier, Humboldt machte Station und noch heute ist die Stadt bekannt für ihre filigrane Goldschmiedekunst, ebenfalls ein Überbleibsel der aus Spanien kommenden Juden und Christen, die die Stadt früher zu Reichtum brachten. Also mache ich mich auf eigene Faust auf in die kleine Stadt am Río Magadalena. 

Etwas später als geplant komme ich an dem Tag los und suche im großen Busterminal nach einem Bus nach Mompós. Man sagt mir, dass es kaum direkte Busse gibt. Also steige ich in einen Bus nach „El Bongo“ von wo aus es angeblich Busse nach Mompós geben soll. Nach ca. 1,5 Stunden Wartezeit setzt sich der Bus in Bewegung. Nach rund 5,5h Fahrt kommen wir in dem 200km entferntem El Bongo an – die Zeit/Entfernungsachse vermittelt einen guten Eindruck unserer Geschwindigkeit und der Straßenzustände. El Bongo ist eigentlich nur eine Straßenabzweigung mit einigen Tiendas. Ich spreche mit einigen der herumstehenden Taxifahrer. Auf meine Aussage, dass ich nach Mompós möchte, erwidern sie immer wieder Magangué – was zu einigen Verwirrungen führt. Es stellt sich heraus, das man erst nach Magangué muss um dann mit einem Boot und dann einem Motorrad weiter nach Mompós fahren kann. Eine solche Abwechslung der Verkehrswechsel hatte ich gar nicht unbedingt erwartet. Aber nun hilft es ja nichts – der Fluss muss irgendwie überquert werden. 

Aber erst einmal warte ich ein wenig in El Bongo, bis der Wagen voll ist. Die Taxifahrer kümmern sich gut um mich, geben Wasser aus und achten darauf, dass ich auf dem Beifahrersitz lande. Es geht noch einmal gut eine Stunde durch schöne Landschaft nach Magangué. Da die Uhrzeit mittlerweile fortgeschritten ist und ich nicht riskieren möchte, auf der anderen Flussseite im Dunkeln nach einem Motorrad suchen zu müssen, entschließe ich mich die Nacht in Magangué zu verbringen. Ich erkunde ein wenig die Stadt, aber die Bewohner scheinen mit meiner Anwesenheit etwas überfordert. Ich checke in ein SEHR einfaches (und günstiges) Hotel ein, aus dem mich dann direkt eine Mitarbeiterin begleitet, als ich mich zur Erkundung aufmache. Nachdem wir auf dem Hauptplatz gemeinsam Tinto (kleinen schwarzen Kafffee) getrunken haben, ziehe ich alleine weiter. Nirgendwo wurde ich zuvor so skeptisch beäugt und nirgendwo haben mir zuvor so viele Leute gesagt, dass ich besser nicht alleine durch die Gegend laufen sollte, wie an diesem frühen Abend in Magangué. Ich glaube, hier verirren sich einfach nie Touristen hin. Irgendwann wird mir das etwas anstrengend und mit beginnendem Regen ziehe ich mich in mein Hotelzimmer zurück. 

Am nächsten Tag frühstücke ich frischen Saft und Patacones (Fladen aus frittierter Kochbanane) am Hafen und nehme ein frühes Boot, welches in 45 Minuten Fahrt den großen Fluss überquert und in Bodega hält. Von dort ist es dann noch einmal eine Stunde mit dem Motorrad nach Mompós. Endlich dort angekommen schlendere ich durch die koloniale Stadt und bringe bei den beiden Busunternehmen des Ortes schon einmal in Erfahrung, welche Möglichkeiten ich für die morgige Rückreise habe.

Am Nachmittag mache ich eine Bootstour auf dem Fluss, bei welcher sich viele Vögel und Leguane beobachten lassen. Wir sehen große Gruppen von Kindern, die sich im Fluss badend Schlammschlachten liefern und treffen zahlreiche Fischer in den typischen schmalen Booten. Es ist unglaublich heiß. 

Am nächsten Morgen lerne ich beim Frühstücken in einem Café Jaime kennen, der in Mompós lebt und dabei ist, ein Hostal aufzubauen. Wir kommen ins Gespräch und ich berichte ihm von meiner Arbeit in Cartagena. Er zeigt mir noch ein Haus, in dem Humboldt während seines Aufenthalts in Mompós wohnte und weißt mich auf die Gedenktafel hin. 

Gegen Mittag steige ich in den Bus, der mich Richtung Cartagena bringt. Ca. 70km vor der Stadt muss ich jedoch aussteigen – der Bus fährt in eine andere Richtung weiter und ich begebe mich wieder einmal auf die Suche nach einem Fortbewegungsmittel. An der Straße warten bereits größere Gruppen auf Busse nach Cartagena, aber alle die in der nächste Stunde vorbei kommen, sind sehr voll und nehmen kaum noch Leute mit. Also schließe ich mich mit drei weiteren Wartenden zusammen und nehme ein Auto, welches sich als Taxi anbietet. Dieses ist zwar etwas teurer als der Bus, aber immerhin geht es sofort los und es bringt mich in Cartagena sogar wieder direkt in mein Viertel.