Cañón del Colca

Audio: Terrapuerto in Arequipa. #LimaLima #SalteñaEmpenada #Panflöten

Seit wir in Arequipa sind, hören wir von Freunden, Verwandten, Kollegen und Ortsansässigen: Ihr müsst ins Colca-Tal! Also haben wir uns ein Dreitageswochenende dafür freigehalten.

Für die Reise gibt es zwei Optionen: Tour oder selbst organisieren. Unsere Lehrer raten zur Tour, und unser Freund von hier, Alejandro, zum selber machen; und natürlich machen wir es selbst.

Es geht holprig los: da man im Internet nicht nachschauen kann, wann die Busse der verschiedenen Unternehmen fahren, und überhaupt unklar ist, welche Unternehmen fahren, geht Wiebke einen Tag zuvor beim Terrapuerto vorbei, um das in Erfahrung zu bringen: 9.30 von Andalusia fährt ein Bus, den wir nehmen können. Wir machen uns also früh auf, um diesen zu erwischen, um dann festzustellen: der Bus hatte leider eine Panne und fährt nicht. Der nächste Bus von Reyna (Königin) fährt um elf. Wir kaufen eine Ausgabe Condorito und vertreiben uns so die Zeit.

Der Bus der Königin hat bequeme Sitze und ein ähnliches Verhältnis von Motorleistung zu Gewicht wie die Silbermöwe: er schnauft sehr gemächlich im ersten und zweiten Gang von 2300m in Arequipa hinauf auf 4700m auf ein Plateau, bevor wir wieder hinabrollen ins Colca-Tal auf 3600m.

Eigentlich wollten wir diesen ersten Tag schon wandern, aber es ist schon fast dunkel, also bleibt es ein kleiner Spaziergang. Der Betreiber des Gasthauses Bella Flor im Dorf Yanque ist sehr herzlich und serviert uns das leckerste Essen, welches wir bisher in Peru hatten: Quinoasuppe mit Käse, danach Alpaka in Rotweinsoße mit Kartoffelstampf und Möhrchen. Er klärt uns dann auch auf, wie man mit dem Bus von Milagros (Wunder) zum Cruz del Condor fährt, bzw am besten vorher aussteigt, um dem Touristentrubel aus dem Weg zu gehen. Es klappt: wir sehen unseren ersten Kolibri, bevor dann die Kondore auftauchen.


Wir nehmen abermals den Wunderbus ins Dorf Maca, von wo wir fünf Stunden nach Haus wandern. Die meiste Zeit entlang der Hauptstraße. Es kommt nur alle 15 Minuten ein Auto vorbei, und die Straße ist hervorragend ausgebaut und kurvig in schönster Landschaft. Trotzdem wurde sie bislang weder von Rennrad– noch von Motorradfahrern entdeckt. Neben der Straße ist auch das Mobilfunknetz sehr gut ausgebaut, Videotelefonie klappt gut. 

Wir treffen viele Feldarbeiter in traditionellen Gewändern (Frauen Bunt, Männer mit Hut) und keine Touristen. Immer wird schön gegrüßt und gewunken. Die Arbeit ist hart: Steine vom Feld räumen, Ernten, Umgraben: Alles Handarbeit. Manchmal hilft eine Kuh, selten ein Traktor. 

Am Ende der Tour sehen wir am Horizont eine seltsame Wolke, die sich am Nächsten Tag als Vulkanausstoß herausstellt.

Am letzten Tag baden wir in heißen Thermalquellen – nach Anleitung unseres Gastgebers antizyklisch zum Rest der Touristen. Ein wenig Wandern und es geht zurück nach Haus. Dieses Mal (wieder auf Empfehlung des Gastgebers) mit einem Bus von Estrellas (Sterne). Der Sternenbus hat die Größe der Silbermöwe aber zehnmal so viel Motorleistung. Der Fahrer ist ein Freund der Ideallinie. An einigen Serpentinen sieht man Kreuze stehen. Jeder zweite Fahrgast hört seine Musik am liebsten laut aus dem Handy, um der Musik aus dem Autoradio noch was hinzuzufügen. Wir wollen uns nicht beschweren – die Rückreise dauert halb so lang wie die Hinreise.

Die Landschaft ist karg, außer Alpakas und einer Eisenbahn gibt es nicht viel.