Mit ein wenig Verzögerung – aber jetzt endlich – der Blogeintrag zu unserer letzten Station in Peru. Von Cusco aus fahren wir mit dem Bus nach Puno. Dieses Mal haben wir uns nicht für einen normalen Bus entschieden, sondern für eine Tour, bei der man auf dem Weg auch noch anhält, um ein Museum, eine Kirche und eine Ausgrabungsstätte zu besuchen und natürlich Mittag zu essen. Das lockert die Fahrt auch auf, aber wir stellen wieder fest, dass wir keine großen Fans von größeren Touristengruppen sind. Als wir in am frühen Abend endlich in Puno ankommen, regnet es stark. Zum Glück hört es wenig später auf und wir können das Hotel doch noch Richtung Zentrum verlassen, um uns etwas zum Abendessen zu suchen.
Am nächsten Tag sind wir mit Ruben verabredet. Ruben gehört zu der Volksgruppe der Uros, die auf schwimmenden Schilfinseln im Titikakasee leben. Wir haben ihn über Airbnb gefunden und wollen eine Nacht auf seiner Insel verbringen. Er holt uns mit dem Boot von einem kleineren Hafen etwas außerhalb von Puno ab. Die schwimmenden Inseln und die großen Schilfboote (die eigentlich nur für die Touristen gebaut werden) sehen sehr pittoresk aus und wir genießen die Bootsfahrt. Auf der Insel angekommen, lernen wir gleich seine Frau und seine beiden jungen Töchter kennen, sowie das Nachbarskind, die uns später auch noch in ihre Spiele einbeziehen. Sein Papa, Silverio, der gleich nebenan wohnt, nimmt uns wenig später mit dem Boot mit und gibt uns eine kleine Dorftour. Wir sehen die anderen Inseln, die Kirche und immer wieder diese lustigen Boote. Er erklärt uns, dass viele der Uros mittlerweile auf dem Festland leben und nur tagsüber auf den Inseln sind, um dort Restaurants für Touristen oder kleine Läden zu betreiben. Das Touristenbusiness ist im übrigen gut organisiert, das Dorf hat sich die Touristen aufgeteilt, an bestimmten Tagen werden die Inseln links, an den anderen Tagen die Inseln rechts des Dorfes angefahren. Silverio zeigt uns zudem, dass man das „Schilfrohr“, welches auch zum Bau der Inseln und Häuser verwendet wird, essen kann und wir ernten ein wenig davon. Dann gibt es Mittagessen, natürlich Fisch aus dem See. Dass dieser stark verschmutzt ist und in den vergangenen Jahren mit einem starken Rückgang des Wassers zu kämpfen hat, hatten wir bereits gelesen. Zumindest der Rückgang des Wasser ist auch Thema in den Gesprächen mit Silverio und Ruben.
Durch ein Förderprojekt des Landes werden die Uros momentan mit Toiletten- und Badezimmer-Einheiten versorgt. Diese können das Wasser aufbereiten und bieten so fließend Wasser für die Bewohner. Nicht unwichtig, auch wenn man auf einer Insel wohnt.
Am Abend nimmt uns Silverio wieder auf dem Boot mit, er legt jeden Abend ein Netz aus und wir dürfen assistieren. Das Netz wird dann sehr früh am nächsten Morgen wieder eingeholt. Meistens sind nicht viele Fische drin, aber einige Karachi (etwas größere Fische) und wenige Ispi (kleinere Fische) sind trotzdem ins Netz gegangen. Die Karachi werden uns direkt danach zum Frühstück aufgetischt. Dann wollen wir weiter nach Amantani, eine der zwei größeren Inseln (also jetzt, echte Inseln). Die Weiterfahrt gestaltet sich etwas schwierig, das Wassertaxi kommt leider nicht und so sucht Silverio uns eine Touristengruppe, die gerade Stop auf den Uroinseln macht und danach nach Amantani weiterfährt. Dort haben wir uns schon eine Unterkunft gesucht, diese müssen wir aber noch stark mit dem Kapitän verhandeln. Denn der Tourismus auf den Inseln ist gemeinschaftliche organisiert, Hotels gibt es keine und die Kapitäne haben bestimmte Familien mit denen sie zusammenarbeiten und so ist mit dem Boot, mit dem man kommt, auch schon das Dorf und die Familie festgelegt, in welcher man übernachtet.
Nachdem unser Kapitän unabgesprochen einen Hafen später anfährt, muss unsere Gastgeberin noch schnell an der Küste entlangsprinten, um uns einzusammeln. Mit unserem ganzen Gepäck geht es danach bergauf in die Unterkunft. Wir bekommen ein hervorragendes Mittagessen und wandern dann einen der beiden Berge (ein Berg für Pachamama – Mutter Erde und ein Berg für Pachatata – Vater Erde, beide über 4000m) hinauf, auf dem eine Art Tempel steht. Gegenüber liegt der zweite Berg, der etwas niedriger ist und auch eine Tempelanlage beherbergt, beide Tempelanlagen gehen auf die Inka- und Tiwanakukultur zurück. Einmal im Jahr gibt es ein Fest, bei dem die Bewohner der Insel in zwei Gruppen aufgeteilt werden und eine Art Wettlauf zwischen den Tempelanlagen stattfindet. Generell sind die Inseln wunderschön. Es gibt keinerlei Autoverkehr und ein Großteil der Insel wird landschaftlich genutzt und ist daher mit Terassenfeldern übersäht. Wir unternehmen eine sehr schöne Wanderung und erreichen die Bergspitze von Pachamama, bevor die übrigen Touristen ankommen. Bevor es dunkel wird, sind wir gerade wieder zurück und bekommen Abendessen. Am kommenden Morgen sind wir wieder mit dem selben Kapitän und Boot verabredet, denn die Gruppe fährt ebenfalls weiter nach Tamile, die zweite Insel. In Tamile müssen wir mit dem ganzen Gepäck auch wieder erst einmal bergauf, um zu dem zentralen Platz der Insel zu kommen. Auch hier ist der Tourismus gemeinschaftlich organisiert, wir haben Glück und können bei dem jungen Mann übernachten, bei dem die Gruppe auch Mittag isst. Am Nachmittag verabschieden wir uns von der Gruppe, die wieder nach Puno fährt und wandern zur Südspitze der Insel, wo es Strand gibt. Zum baden ist es natürlich zu kalt, aber die Landschaft ist beeindruckend und nach und nach legen die Tourenboote ab und es wird ruhiger auf der Insel. Besonders beeindruckend sind die Trachten, die hier alle Bewohner ganz selbstverständlich tragen. Handarbeit ist hier übrigens meist in Männerhand und die „strickenden Männer“ von Tamile gehören zum immateriellen Weltkulturerbe. Am nächsten Tag schwächeln wir etwas, es wird also viel gelesen. Am kommenden Tag suchen wir uns dann ein Boot zurück nach Puno.
In Puno haben wir noch zwei Nächte, bevor wir mit dem Bus nach La Paz fahren und dabei quasi problemlos in Bolivien einreisen. Es gibt an der Grenze noch etwas Verwirrung wegen meines Arbeitsvisums und wir müssen unsere Bananen und die Mango abgeben (man darf nichts frisches einführen), aber ansonsten läuft alles reibungslos.
































