Das Nahverkehrssystem Limas haben wir uns nach 3 Tagen so erschlossen: Für schnelles Vorankommen gibt es verschiedene Metrolinien (für uns nicht relevant da weiter weg) und die Metropolitano, ein Schnellbus, der eigene Fahrspuren hat und von dem es Express und Nicht-Express Linien mit unterschiedlichen Stopps gibt. Zudem unzählige offizielle Taxis und noch mehr inoffizielle, die mit Warnblinkern hupend durch die Straßen fahren und ihre Dienste anbieten. Welche offiziell sind und welche nicht, ist schwer zu erkennen.
Und dann natürlich Busse: Minibusse, mittelgroße und etwas, was fast an normale Linienbusse in Deutschland erinnert. Minibusse und häufig auch größere Busse haben neben dem Fahrer eine weitere Person, welche Tickets verkauft, den Leuten beim Ein- und Aussteigen hilft und vor allem während der Fahrt aus der Tür hängt, um potentiellen Fahrgästen das Fahrtziel und die kommenden Stopps zuzurufen und anderen Bussen und Taxis die Kundschaft streitig zu machen. Ein Knochenjob.
Nachdem wir in den ersten zwei Tagen die nähere und fernere Umgebung ausschließlich zu Fuß erkundet haben, wagen wir uns nun auch an die Busse. Das größte Geheimnis ist, welcher Bus der richtige ist. Insbesondere dann, wenn man sich in der Stadt nicht gut auskennt, die zugerufenen Zwischenstopps kaum versteht und einem Start- und Endhaltestelle der Linie auch nicht weiterhelfen. Gekennzeichnet sind die Busse mit 4-ziffrigen Nummern und verschiedensten Nummern-Buchstaben Kombinationen. Zumindest die Suche nach Haltestellen entfällt, denn durch Handzeichen vom Straßenrand und Rufen im Bus kann man diese fast überall stoppen um ein- oder auszusteigen.
Nach ausführlicher Internetrecherche finden wir eine App, in der viele Routen vermerkt sind – Moovit. So gelingt es uns, herauszufinden, welche Busse wir nehmen können und ab diesem Zeitpunkt funktioniert das Busfahren fast problemlos. Man bezahlt beim Fahrer oder Kassierer zwischen 50 Centimos und 2 Soles pro Person, je nach Strecke. Das GPS-Signal hilft uns, den richtigen Moment zum Aussteigen zu finden. Für Unterhaltung während des Fahrt sorgt nicht nur der Verkehr und der Wettbewerb der Busse um die nächsten Fahrgäste – gekennzeichnet durch das ständigen Rufen des Kassierers „Vamos a Lince – Lince!“ sondern auch die Straßenverkäufer (Sandwiches, Eis, Kekse), Breakdance-Truppen im Stau zwischen den Autos oder Musiker, die für einige Meter mitfahren und ihre Produkte anbieten. Highlight bisher: der rappende Junge, der sich von den Passagieren erste Worte zu werfen lässt und damit improvisiert.
