Bolivien und das Meer

Ja. Bolivien und das Meer. Jetzt mag man sich fragen. „Welches Meer?“. Genau das ist das Problem, denn Bolivien leidet sehr unter dem fehlenden Meereszugang. Ich hatte von der Thematik gehört, aber ich hatte unterschätz, was für ein großes Thema das in Bolivien und für Bolivianer ist. Ein Vorgeschmack gab ein Kinderbuch im bolivianischen Konsulat in Berlin, herausgegeben von dem Ministerium für Kommunikation, Auszüge hier: 

Da Drama eskalierte mit dem Salpeterkrieg zwischen Peru, Bolivien und Chile 1879 bis 1884. Bis dato hatte Bolivien Meereszugang und verfügte über eine Küste von ca. 400 km. Es begann damit, dass Bolivien eine neue Steuer auf chilenische Salpeterunternehmen einführte und damit gegen die bis dahin geltenden Verträge verstieß. Bolivien lehnte ein internationales Schiedsgericht ab und das Ganze schaukelte sich hoch: Chile besetze bolivianisches Gebiet, welches mehrheitlich von Chilenen besiedelt war. 

Eine Erzählweise besagt, dass Bolivien – zu der Zeit ohnehin militärisch schwach  – von der Invasion überrascht wurde, Chile nie offiziell den Krieg erklärte und zudem noch Karneval war, wo man ja nun wirklich von niemandem erwarten könne, sein Land zu verteidigen. 

Evo Morales hat auf internationaler Bühne in den vergangenen Jahren immer wieder auf das damals geschehene Unrecht hingewiesen und darum geworben, dass Chile zu Verhandlungen darüber verpflichtet werde. Ein Urteil des höchsten internationalen Gerichts in Den Haag aus dem vergangenen Jahr lehnt dies jedoch ab. Damit scheint die bolivianische Hoffnung zunächst zerschlagen, auch wenn die Niederlage niemand so recht eingestehen mag. 

So ist Bolivien auch das einzige Land weltweit, welches über eine Navy verfügt und keinen Meereszugang hat. Die Marine übt daher der einfachheithalber auf dem Titikakasee. 

Überall im Land sieht man dennoch Plakate die für einen bolivianischen Meereszugang werben, sogar Teleférico-Gondeln sind so gestaltet und es gibt natürlich einen nationalen Feiertag, den „Dia del Mar“, bei dem schon die Kleinsten in Papmaché-Booten durch die Straßen ziehen. Außerdem sind verschiedene Orte, Plätze, Schulen etc. in Andenken an den damaligen Meereszugang benannt. 

Ein wenig scheint das Motto zu sein „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, auch wenn niemand aktuell die Frage beantworten kann, wie das ganze doch noch zu einem guten Ende kommen soll. Zudem Chile – über welches ein Großteil des bolivianischen Im- und Exports läuft, daran auch gut verdient. Aktuell werden erste Kollaborationen mit peruanischen Häfen geprobt, aber auch das wird nicht zu einem bolivianischen Hafen führen, höchstens zu Steuererleichterungen.